Leuna - Die Erdöl-Raffinerie in Leuna steht still: Grund ist die Generalinspektion sämtlicher Anlagen. Rund 65 Millionen Euro werden dabei in 60 Vorhaben zur Modernisierung und Instandsetzung investiert, 3500 zusätzliche Mitarbeiter von rund 300 Firmen beschäftigt sein, wie die Total Raffinerie Mitteldeutschland GmbH weiter mitteilte. Anfang Juli sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, sagte Geschäftsführer Reinhard Kroll am Dienstag. Die Silhouette des Hunderte Hektar großen Areals prägen derzeit 85 Kräne sowie Gerüste.

"Man kann unsere Anlagen nur umbauen, wenn sie stillstehen", sagte er unter Hinweis auf die Sicherheitsstandards der Branche. Zwei bis drei Millionen Euro pro Tag werde für die Generalinspektion ausgegeben.

In der Raffinerie in Leuna (Saalekreis) können den Angaben zufolge zwölf Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr verarbeitet werden. Der Umsatz liege bei rund 8 Milliarden Euro (2013). Zum Gewinn wollte Kroll keine Angaben machen. Rund 2,5 Millionen Tonnen Benzin und 3,5 Millionen Tonnen Diesel wurden 2013 hergestellt, hieß es. Nach bisherigen Angaben wurden zudem 300 000 Tonnen Flüssiggas und 1,5 Millionen Tonnen Heizöl produziert. Die Raffinerie habe rund 630 Mitarbeiter.

"Laut Prognosen verlangt der Markt aber weniger Benzin und mehr Produkte, die gefragt sind. Dazu zählt Flüssiggas", sagte Kroll. Deshalb würden während der Inspektion Anlagen auch so vorbereitet und umgerüstet, dass die Raffinerie auf die jeweilige Nachfrage künftig besser reagieren könne.

Nach einer Analyse des Verbandes der Mineralölwirtschaft (MWV/Berlin) ist der Verbrauch an Ottokraftstoff - dazu gehört Benzin - in Deutschland seit dem Jahr 2000 von 28,8 Millionen Tonnen im Jahr auf 19,6 Millionen Tonnen im Jahr 2010 gesunken. Bis 2025 geht der Verband von einem Rückgang auf 12 Millionen Tonnen im Jahr aus. Experten sehen dafür zum Beispiel die Entwicklung in der Fahrzeugindustrie mit spritsparenden Modellen und die stärkere Nachfrage nach Dieselfahrzeugen als Ursache an.

Laut Kroll ist Propangas das bekannteste Flüssiggas. Jedoch benötige zum Beispiel die Chemie große Mengen spezieller Produkte davon, etwa zur Produktion von Kunststoffen und Fasern. "Wir stellen in der Raffinerie aber auch künftig Kraftstoffe her", betonte er. Der Verbraucher werde die Marktveränderungen nicht merken. "Wenn wir zum Beispiel 100 000 Tonnen im Jahr von etwas weniger machen, ist das ein Bruchteil von dem, was wir machen können", sagte Kroll.

Der sechswöchigen Stillstand zur Generalinspektion werde nicht zu spüren sein. "Niemand muss Sorge haben, dass er kein Benzin und Diesel an den Tankstellen bekommt. Wir haben die Tanks bis unter das Dach gefüllt und versorgen den Markt aus Tanklagern", sagte Kroll. Die Raffinerie versorgt den Angaben zufolge 1300 Tankstellen im Umkreis von 150 Kilometern. Seit ihrer Inbetriebnahme 1997 sei dies der dritte große Stillstand.