Pinehurst - Die Kollegen staunen, die Amerikaner nennen ihn respektvoll den "Germanator": Martin Kaymer ist zurück. Den zweiten Major-Sieg seiner Karriere vor Augen, forderte der 29 Jahre alte Führende sogar noch härtere Bedingungen für den Schlusstag der 114. US Open.

"Man muss diesen Druck mögen und sich ihm stellen. Score verwalten bringt nichts, sonst geht der Spielplan nicht auf. Man kann nur mit konsequenten Schlägen gewinnen und muss souverän bleiben", sagte Kaymer nach Runde drei, die er mit einem Birdie zum Fünf-Schläge-Vorsprung auf die Konkurrenten beendete.

Er weiß, dass er sich in den USA Respekt verschafft hat. Sein erster Titel 2010 bei der PGA Championship, der Ryder Cup vor zwei Jahren in Medinah und vor einem Monat sein Comeback bei der Players Championship sprechen für sich. An den ersten beiden Tagen in Pinehurst/North Carolina lieferte er mit dem Rekordergebnis von 130 Schlägen eine kleine "One-Man-Show" ab. Am Samstag wurden die Platzverhältnisse richtig hart: Bei weiter 35 Grad trockneten die Grüns so aus, dass reihenweise Putts wieder herunterrollten.

Auch Kaymer strauchelte, verzog seine Abschläge zu Beginn der Runde, kämpfte sich aber mit einem furiosen Eagle an der fünften Bahn wieder zurück. Am Ende reichte es auf dem Par-70-Platz für eine 72er Runde. Mit insgesamt 202 Schlägen hatte er bei der mit acht Millionen Dollar dotierten Veranstaltung ein Polster von fünf Schlägen auf die US-Profis Rickie Fowler und Erik Compton (beide 207). Der Sieger des zweiten Majors des Jahres kassiert 1,44 Millionen Dollar.

"Ich habe mein Spiel gut zusammengehalten", sagte Kaymer nach seiner Runde auf dem schwer zu spielenden Kurs Pinehurst No. 2. Fünf Bogeys musste der Rheinländer auf seiner Scorekarte notieren. An den ersten beiden Tagen hatte er nur einen Schlagverlust hinnehmen müssen. "Ich habe nicht so viele gute Schläge gemacht wie in den vergangenen beiden Tagen, aber insgesamt war es eine anständige Runde", sagte der zweifache Ryder-Cup-Champion.

Angesprochen auf die Fußball-Begeisterung in Deutschland, macht sich Kaymer keine Illusionen, dass er sogar bei einem Sieg nur wenig Aufmerksamkeit in seinem Heimatland bekommen würde: "Unsere Mannschaft startet ja Montag erst in die WM, vielleicht ist noch etwas Platz in den Zeitungen", sagte der Fußball-Fan aus Mettmann.

In der Vorbereitung hatte er der deutschen Mannschaft einen Besuch abgestattet. Wie lange er denn Furore machen könne mit einem Major-Sieg? "Bis Montagnacht 12 Uhr, mehr nicht", lautete die trockene Antwort. Immerhin könne er Altmeister Bernhard Langer einholen, der zweimal das Masters gewann und ihm beizeiten noch gute Tipps gibt.

Auch der Ratinger Marcel Siem präsentierte sich weiter in guter Form. Der 33-Jährige kehrte ebenfalls nach einer 72er Runde ins Clubhaus zurück und verbesserte sich mit 213 Schlägen auf einen sehr guten 16. Rang. "Ich fand den Platz heute gar nicht so schwer, weil ich einfach richtig gut gespielt habe", sagte Siem dem Internetportal "Golf.de". Siem: "Aber ich habe leider 35 Putts gebraucht. Das nervt natürlich, wenn man sich bei einem Major schon so viele Chancen herausarbeiten kann". Routinier Alex Cejka spielte dagegen nur eine 77er Runde und lag mit 221 Schlägen auf dem geteilten 57. Rang. Der vierte Deutsche, Maximilian Kieffer aus Düsseldorf, war am Cut gescheitert.