Berlin - Die zentrale Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen soll nach den Vorstellungen ihres Direktors Hubertus Knabe wegen Überfüllung einen zweiten Standort erhalten. Knabe schlug das ehemalige Polizeigefängnis der DDR nahe dem Alexanderplatz vor. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) wirkte leicht überrascht, sagte aber eine Prüfung der Idee zu. Fest legte er sich jedoch nicht. Zuerst müsse man alle Möglichkeiten in Erwägung ziehen, um in Hohenschönhausen die Kapazitäten zu erweitern.

Knabe sagte, die Gedenkstätte im früheren Stasi-Gefängnis stoße nach 20 Jahren an die Grenzen ihrer Besucherkapazität. Inzwischen komme man auf 370 000 Besucher im Jahr und habe im Sommerhalbjahr besonders wegen der vielen Schulklassen das Limit erreicht. "Wir sind einfach voll." Es tue ihm "in der Seele weh", dass jährlich 20 000 Besucher abgewiesen müssten.

Viele der früheren Gefangenen im Stasi-Gefängnis seien vorher im Polizeigefängnis der DDR in der Keibelstraße am Alexanderplatz eingesperrt gewesen, sagte Knabe. Das Gefängnis war im gleichen Gebäude wie das Polizeipräsidium der Volkspolizei.

Heute steht das siebenstöckige ehemalige Gefängnis mit weit mehr als 100 Zellen leer. In einem anderen Teil des großen Komplexes ist eine Polizeiwache untergebracht. 2010 zog zudem die Senatsbildungsverwaltung in einen weiteren Trakt. Die Durchgänge zwischen dem früheren Gefängnis und dem früheren Präsidium wurden laut Knabe zugemauert. Für eine Nutzung als Gedenkort seien zahlreiche Umbauten nötig, etwa für Fluchtwege.

Die Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen mit original erhaltenen Zellen und Verhörräumen wurde seit Juni 1994 von 3,3 Millionen Menschen besucht. Im ersten Jahr 1994 waren es gerade 3000 Besucher. Frühere Gefangene, zum Teil aus der Bürgerrechtsbewegung, berichten bei Führungen von Gewalt, Überwachung und Selbstbehauptung hinter Gittern.

Wowereit würdigte die 20-jährige Arbeit als wichtigen Beitrag zur "Festigung unserer Demokratie". Bei den persönlichen Führungen würde eine "ganz andere Emotionalität erzeugt" als nur durch Fakten und Zahlen. "Hier waren Menschen eingesperrt, die aus ihrer Nachbarschaft, Familie und Freundschaft gerissen wurden." Er habe Hochachtung vor dem, was in der Gedenkstätte geleistet werde.

Innensenator Frank Henkel (CDU) betonte: "Das ehemalige Stasi-Untersuchungsgefängnis steht wie kaum ein anderer Gedenkort für die harte und menschenverachtende Realität des SED-Unrechtsregimes."

Knabe verwies auf 70 Ausstellungen in den vergangenen 20 Jahren, 230 weitere Veranstaltungen, 600 Zeitzeugeninterviews und 1400 Seminare. Insgesamt 38 Millionen Euro kosteten die Umbauten und Erhaltungsmaßnahmen in den vergangenen 20 Jahren.

Weitere 8,7 Millionen Euro sind bereits im Haushalt eingestellt. Für die Bewahrung des Originalzustandes, etwa von Böden, Wänden, Tapeten und Mauern, müsse viel getan werden, betonte Knabe. Das unter Denkmalschutz stehende Areal wird vom Bund und dem Land Berlin jährlich mit 1,2 Millionen Euro finanziert.