Kitzbühel - Noch einige Zeit nach ihrem Coup konnte Sophia Saller kaum glauben, was ihr da gelungen war. "Was zur Hölle ist passiert?", twitterte die 20-Jährige wenige Stunden nach ihrem zweiten Platz bei der Triathlon-EM in Kitzbühel.

"Es fühlt sich an, als würde ich in einem Traum leben ... Einem verdammt guten." Gleich mit ihrem ersten Rennen über die olympische Distanz ist die gebürtige Münchnerin von einem vielversprechenden Talent zu einem Versprechen für eine wieder erfolgreiche deutsche Triathlon-Zukunft aufgestiegen. Bei Regen und Kälte musste sie sich nach 1,5 Kilometern Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zehn Kilometer Laufen nur der Schweizer Olympiasiegerin Nicola Spirig geschlagen geben. "Das Rennen meines bisherigen Lebens kann man sagen", meinte Saller. DTU-Cheftrainer Ralf Ebli nannte ihren Auftritt "phänomenal".

Sallers Leistung ist umso bemerkenswerter, weil die Mathematikstudentin noch einen Tag zuvor an der englischen Elite-Universität Oxford eine ihrer letzten Bachelor-Prüfungen abgelegt hatte.

Doch der Balanceakt zwischen Dreisatz und Dreikampf ist für sie nicht Last, sondern Voraussetzung für Erfolg auf beiden Gebieten. "Sport und Studium Tag für Tag zu verbinden, hält mich ausgeglichen und gibt mir die Motivation, meine Ziele zu erreichen", beschreibt sie auf ihrer Homepage ihre Philosophie. "Diese Balance zwischen sportlicher und akademischer Herausforderung ist für mich zugleich Grundlage des Erfolgs - im Triathlon und in der Mathematik."

Saller wusste schon immer, was sie will. Sie lebt seit 2008 in England, legte 2011 an der Deutschen Schule in London ihr Abitur mit der Durchschnittsnote 1,0 ab, begann zu studieren und forcierte parallel ihre sportliche Karriere.

Grenzen gibt es für sie scheinbar nicht. Seit diesem Jahr mischt Saller, die für den TV 1848 Erlangen startet, im Elitebereich als U23-Athletin mit. In ihr hat die Deutsche Triathlon Union (DTU) wieder eine Sportlerin, die in die internationale Spitze vordringen kann. Dazu könnte auch Laura Lindemann aus Potsdam kommen, die in Kitzbühel den Junioren-Titel holte. Derzeit zählt nur die WM-Dritte Anne Haug aus München zur absoluten Weltklasse. Saller darf sich Chancen ausrechnen, einmal ihre Nachfolgerin zu werden.