Mutter sein ist schwierig – viele Frauen stoßen aufgrund der Mehrfachbelastungen im Beruf und Privatleben an ihre Grenzen. Um schlimmeres zu verhindern, gibt es die Mutter-Kind-Kur – eine Möglichkeit für Mutter und Kind, einmal abzuschalten. Was viele nicht wissen: Auch für Väter gibt es ein solches Angebot – die Vater-Kind-Kur.

Der "neue" Mann von heute hat viele Facetten. Er ist seinen Kindern ein liebevoller Vater, der Erziehungsverantwortung übernimmt. Er engagiert sich in der Partnerschaft, im Haushalt, im Beruf und in der Gesellschaft. Und: Er gerät durch die Mehrfachbelastung, ebenso wie bislang Mütter, dabei immer öfter physisch und psychisch an seine Grenzen.
Eine Vater-Kind-Kur kann in solchen Fällen helfen. Sie ist speziell darauf ausgerichtet, Ge-sundheitsprobleme im Zusammenhang mit Überlastungssymptomen von Vätern (mit über-wiegender Erziehungsarbeit) zu verhindern oder zu behandeln. Das gute daran ist, dass der Nachwuchs in die Therapie einbezogen wird. Hat der Vater Kinder bis zum 12. Lebensjahr, dürfen diese mit in die Kur.

Auf Männergesundheit ausgerichtet

Die Kur findet stationär statt, das heißt Vater und Kind werden für die Dauer von drei Wochen in einer Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtung untergebracht. Im Vordergrund steht aber nicht die Gesundheit des Kindes, sondern die Genesung des Elternteils. Eine Mischung aus psychosozialen und sozialtherapeutischen Maßnahmen unterstützt die Väter dabei, besser mit schwierigen Lebenssituationen umzugehen. Die Kinder sind deshalb nicht bei jeder Therapie anwesend. Oft werden diese von Fachpersonal betreut, während sich der Vater auf seine eigene Gesundheit konzentrieren kann um z.B. eine neue Balance im Lebensalltag zu finden.

Dabei müssen Väter anders behandelt und angesprochen werden als Mütter. Denn Männer verarbeiten Krankheiten in der Regel anders als Frauen. Sie möchten weniger reden oder kreativ gestalten. Stattdessen braucht es ein aktiveres Bewegungsangebot wie z.B. Fußball oder Volleyball. Zudem erleichtern männliche Therapeuten den Zugang zu möglicherweise tieferliegenden Problemen. Mit einem "Von-Mann-zu-Mann"-Gespräch können eher Theme-nen angesprochen werden, die unter den Nägeln brennen. Viele Kureinrichtungen stellen sich deshalb zunehmend auf männliche Gäste ein.

Auch Vater-Kind-Beziehung kann verbessert werden

Vater-Kind-Kuren sind aber auch geeignet, speziell die Vater-Kind-Beziehung zu verbessern. Hat ein Kind zum Beispiel die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS), kann dies sehr belastend sein – für Vater und für Kind. Eine gemeinsame Kur kann die Motorik, Konzentrationsfähigkeit und das Selbstvertrauen des Kindes stärken, während der Vater durch Massagen, Fangopackungen und Entspannungstechniken neue Kraft tankt.

Auch wenn der Vater plötzlich alleinerziehend ist, kann eine Vater-Kind-Kur helfen. Durch die Umstellung ist es oft schwierig, den Alltag richtig zu strukturieren. Wenn dann noch Dauer-stress bei der Arbeit hinzukommt, sind die Nerven schnell am Ende. In der Kur können Väter lernen, wie sie die Freizeit mit ihren Kindern besser gestalten können und diese neuen Ideen in den Alltag mitnehmen. Auch der Austausch mit anderen Vätern kann helfen.

Mit wenigen Schritten zur Vater-Kind-Kur

Eine Vater-Kind-Kur kann man in nur wenigen Schritten beantragen. Zunächst muss der be-handelnde Arzt bescheinigen, dass eine Vater-Kind-Kur notwendig ist. Dann ist ein Antrag auf stationäre Vorsorgeleistung für Väter notwendig. Dieser ist im AOK-Kundencenter oder in Beratungsstellen der öffentlichen Wohlfahrtsverbände, wie zum Beispiel Arbeiterwohlfahrt, Rotes Kreuz oder Caritas erhältlich. Beratungsstellen im regionalen Umfeld lassen sich über Telefonbuch oder Internet ermitteln.

Nach der Prüfung und Bewilligung trägt die Gesundheitskasse die Kosten. Sofern der Vater nicht von der gesetzlichen Zuzahlung befreit ist, fallen für ihn zehn Euro Eigenbeteiligung pro Kalendertag an. Sein Kind reist kostenfrei mit. Besteht Schulpflicht, aber kann die Vater-Kind-Kur nicht in den Schulferien stattfinden, bieten die Einrichtungen auch einen wissenser-haltenden Unterricht an. Aber auch sonst wird beim Nachwuchs keine Langeweile aufkom-men und ganz wichtig ist ja, Zeit mit dem Papa zu verbringen.

Weitere Informationen zur Familiengesundheit gibt es unter www.aok.de/familienexperten