Halle/Leipzig - Die Wirtschaftsregion Halle-Leipzig hat eindringlich an Bund und Länder appelliert, den konjunkturellen Aufschwung nicht zu gefährden. Die Industrie- und Handelskammern (IHK) und das Handwerk pochten dazu unter anderem auf Ausnahmeregelungen beim gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro für Jugendliche unter 25 Jahren. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass zum Beispiel Schulabgänger statt in eine Ausbildung gleich in eine Beschäftigung drängten, erklärten die Kammern aus Halle-Dessau und Leipzig am Mittwoch in Halle.

Es würde den Unternehmen schaden, wenn qualifizierter Nachwuchs fehle, und Jugendliche würden sich auf lange Sicht im Leben selbst schaden, wenn sie keine Ausbildung absolvierten. Ferner gebe es Anzeichen, dass Firmen bei einem einheitlichen Mindestlohn finanziell nicht mehr in der Lage sein werden, gering qualifizierte Mitarbeiter in dem Umfang wie bisher beschäftigen zu können, sagte die Präsidentin der IHK Halle-Dessau, Carola Schaar.

Im Raum Halle-Leipzig gibt es den Angaben zufolge etwa 148 000 Firmen, 24 000 Auszubildende und 767 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Laut einer aktuellen Konjunkturumfrage zur mitteldeutschen Wirtschaft sind die Geschäftslage, die Stimmung und die Erwartungen der Wirtschaft in der Region, getragen von einer starken Binnennachfrage, sehr gut. "Alle Zeichen stehen auf Dynamik und Wachstum. Und wir hoffen, dass das noch lange so anhält und wir keine großen Dellen bekommen", sagte der Präsident der Handwerkskammer zu Leipzig, Ralf Scheler.

So stiegt der Konjunkturklima-Index im Frühjahr im Vergleich zum Vorjahr um 18 Punkte und erreichte mit fast 71 Punkten eine neue Bestmarke, hieß es. Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge insgesamt 2000 Betriebe der IHK Halle-Dessau, IHK Leipzig sowie der Handwerkskammer Halle und zu Leipzig befragt.