London - Für Roger Federer und Novak Djokovic geht es im Finale von Wimbledon um mehr als nur einen Titel. Federer, 32 Jahre alter Routinier und Rekord-Grand-Slam-Sieger, möchte seine beeindruckende Sammlung mit dem 18. Major-Titel schmücken.

Als erster Tennisprofi könnte der Schweizer zum achten Mal auf dem "heiligen Rasen" triumphieren. Mit den Worten "achtes Weltwunder" beschrieb gar "The Times" das Ziel Federers. Djokovic, fünf Jahre jünger, möchte die Branchenführung im Herren-Tennis wieder übernehmen.

Zugleich kommt es beim finalen Showdown der diesjährigen Auflage an der Church Road an diesem Sonntag (15.00 Uhr) zu einem Wiedersehen zweier Rivalen aus einstigen Zeiten: Boris Becker und Stefan Edberg duellierten sich im Sommer 1990 zum letzten Mal auf dem Centre Court, das Finale entschied damals der Schwede für sich. Diesmal nehmen beide auf der Tribüne Platz - Coach Becker jubelt mit Djokovic, Edberg drückt Federer die Daumen.

Der 48-jährige Edberg sei "ein Stück des Puzzles", das ihn wieder zu alter Stärke geführt hat, betonte der schon so oft abgeschriebene Federer. Im vergangenen Jahr endeten für ihn die All England Championships schon in der zweiten Runde, inzwischen vertraue er seinem Spiel auch wieder in den entscheidenden Momenten. "Wenn alles stimmt, ist es schwer mich in Wimbledon zu schlagen", stellte Federer klar.

Im All England Lawn Tennis and Croquet Club ging der zweifache Zwillingsvater zwölf Tage lang seiner Arbeit mit einer Mischung aus Dominanz und Souveränität nach und zog fast problemlos in das Endspiel ein. In sechs Matches gab er nur gegen seinen Landsmann Stan Wawrinka einen Satz ab, nur einmal überließ er sein eigenes Aufschlagsspiel dem Gegner.

"Dieses Jahr ist sehr solide. Ich habe schon eine Menge Halbfinals und Finals erreicht", erläuterte Federer. "Ich habe schon zwei Titel gewonnen. Das hat mir wirklich das Selbstvertrauen gegeben, daran zu glauben, noch einen Schritt weiterzugehen." Der achte Wimbledon-Titel wäre ein Novum. Momentan teilt sich Federer den Rekord mit dem siebenmaligen Titelträgern Pete Sampras und dem Briten William Renshaw, dessen Siege aus den Jahren 1881 bis 1889 stammen. "Das ist die beste Chance, die er hat, ein weiteres Major zu gewinnen", urteilte BBC-Experte John McEnroe über Federer.

Djokovic lobte den Endspiel-Kontrahenten in den höchsten Tönen: "Er hat einen sehr guten Eindruck im gesamten Turnier gemacht, war sehr dominant in seinen Matches." Weitaus mehr Probleme als Federer gegen den Kanadier Milos Raonic hatte der Serbe, um gegen den mutig aufspielenden Bulgaren Grigor Dimitrow den Finaleinzug perfekt zumachen. Lässt er einen Sieg folgen, erobert der sechsfache Grand-Slam-Sieger erstmals seit Ende September 2013 den Spitzenplatz in der Branchenwertung von Rafael Nadal zurück.

Für beide geht es auch darum, ihre Durststrecke bei den Majors zu überwinden. "Ich erinnere mich gar nicht mehr, wann mein letztes Grand-Slam-Finale war", scherzte Federer, der zuletzt vor zwei Jahren Wimbledon gewann. Dass sein bis dato letzter großer Titel von den Australian Open vor eineinhalb Jahren datiert und er zuletzt drei von vier Major-Finals verlor, wurmte Djokovic sichtlich. Um das zu ändern, holte der Wimbledon-Sieger von 2011 Becker in sein Team.

Von 34 direkten Duellen entschied bislang Federer 18 für sich. Von den letzten sechs Aufeinandertreffen gewann Djokovic allerdings vier. In einem Grand-Slam-Finale trafen sich die beiden zuvor nur einmal. Bei den US Open 2007 besiegte Federer den erst 20-jährigen Kontrahenten. Auch nach der bislang einzigen Partie auf Rasen hieß der Sieger Federer, das war vor zwei Jahren in Wimbledon. Am Ende gewann der Schweizer das Turnier.