Stendal - Ein Häftling des Gefängnisses Burg bei Magdeburg hat das Land Sachsen-Anhalt wegen hoher Telefongebühren verklagt. Das Justizministerium habe einen Langzeitvertrag mit dem Spezialanbieter Telio geschlossen, sagte ein Sprecher des Landgerichtes Stendal am Montag und bestätigte damit einen Bericht der "Bild-Zeitung". Ein vom Gericht bestelltes Gutachten habe nun ergeben, dass die Gebühren von Telio etwa dreimal so hoch lägen wie der Durchschnittswert. Das Gericht plane eine Entscheidung über die Klage noch im Juli.

Dem Bericht zufolge versorgt Telio 90 Gefängnisse in Deutschland. Pro Minute müssten die Häftlinge 0,20 Euro für Festnetz-Gespräche, 0,60 Euro für Verbindungen ins Handynetz und ins Auslandnetz bis zu 1,40 Euro zahlen. Laut Bericht hatte der Häftling in den zurückliegenden fünf Jahren Telefonkosten von gut 14 000 Euro, das sind etwa 240 Euro pro Monat. Er sei 2009 wegen Erpressung und Körperverletzung zu acht Jahren Haft verurteilt worden.

Zum Verfahren selbst wollte sich das Justizministerium nicht äußern. Die Entscheidung für die Firma Telio sei gefallen, weil mit deren System kontrolliert werden könne, mit wem der Haftling kommuniziert, sagte eine Sprecherin.