Halle - Die DDR hat über Jahrzehnte systematisch Häftlinge zu gesundheitsgefährdender Arbeit in der Chemieindustrie eingesetzt. Das geht aus einer Studie über Zwangsarbeit in der DDR hervor, wie die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" (Montag) berichtet. Nach den Recherchen der Wissenschaftler Christian Sachse und Justus Vesting mussten die Gefangenen, sowohl gewöhnliche Kriminelle als auch politische Häftlinge, ohne Vorbereitung und Ausbildung im mitteldeutschen Chemiedreieck arbeiten, so im damaligen Chemiekombinat Bitterfeld und in Buna. Sie seien dabei hochgiftigen Quecksilberdämpfen und Chlorgasen sowie ätzenden Laugen ausgesetzt gewesen, sagte der Historiker Vesting. Die Gefangenen seien dort eingesetzt worden, wo andere Beschäftigte nicht mehr hätten arbeiten wollen.