Stuttgart - Das ATP-Turnier in Stuttgart läuft ohne deutsche Beteiligung weiter. Am Donnerstag scheiterte auch Philipp Kohlschreiber im Achtelfinale. Damit kam den Veranstaltern zugleich das einzige noch verbliebene Zugpferd abhanden.

Schlechtes Wetter, wenige Zuschauer und nun auch noch das Aus für Kohlschreiber: Mit dem Scheitern des früheren Davis-Cup-Spielers bereits im Achtelfinale läuft das ATP-Turnier in Stuttgart endgültig anders als gewünscht. Der Vorjahresfinalist aus Augsburg unterlag am Donnerstag in seinem zweiten Spiel innerhalb von vier Stunden dem Tschechen Lukas Rosol verdient mit 5:7, 6:7 (5:7) und schied bei der mit 485 760 Euro dotierten Sandplatz-Veranstaltung als letzter Deutscher aus.

Mit den lang andauernden Regenfällen am Dienstag und Mittwoch hatten es die Veranstalter schon schwer genug, nun ist ihnen auch noch das letzte Zugpferd abhanden gekommen. Auf Deutschlands Topmann Tommy Haas hatten sie wegen dessen Schulterverletzung ohnehin schon verzichten müssen, auch kein Top-Ten-Spieler hatte in diesem Jahr den Weg in die Schwaben-Metropole gefunden.

"Das ist sicher nicht das, was man sich wünscht", sagte Kohlschreiber über seinen dem Stuttgarter Schmuddelwetter der vorangegangenen Tage geschuldeten Match-Doppelpack. "Aber es kam schon häufiger vor, dass ich an einem Tag zwei Spiele hatte und habe beide gewonnen." Es sei schade, dass so viele Deutsche verloren. "Das Turnier stand für mich nicht unter den besten Vorzeichen, ich hatte zuvor nicht viel auf Sand trainieren können", erklärte Kohlschreiber. Er habe zwar gut gespielt. Aber Rosol, der in der ersten Runde den Hamburger Alexander Zverev ausgeschaltet hatte, sei mit seiner aggressiven Spielweise besser gewesen.

"Letztes Jahr lief es optimal, dieses Jahr etwas in die andere Richtung", sagte Turnierdirektor Edwin Weindorfer. "Von der Qualität des Tennis her wird bis zum Wochenende sicher noch einiges geboten. Aber für die Zuschauer sind deutsche Spieler wichtiger. Wir werden das Turnier aber noch ordentlich zu Ende bringen."

Dabei war Kohlschreiber am Vormittag gut in das Turnier gestartet. Zwei Wochen nach seinem ernüchternden Zweitrunden-Aus auf dem Rasen von Wimbledon besiegte der 30 Jahre alte Vorjahresfinalist Jan-Lennard Struff aus Warstein mit 6:4, 6:3. Die Nummer fünf der Setzliste hatte bei Kälte und Nieselregen einige Probleme gegen den Weltranglisten-71., setzte sich am Ende aber verdient durch.

Nur wenig später war in Benjamin Becker der zu diesem Zeitpunkt vorletzte Deutsche im Achtelfinale gescheitert. Der 33-Jährige unterlag nach einem über 2:13 Stunden dauernden harten Kampf dem an Nummer acht gesetzten Argentinier Federico Delbonis unglücklich mit 7:6 (8:6), 4:6, 4:6.

Kohlschreiber sollte ursprünglich schon am Dienstag gegen Struff aufschlagen, das Spiel war aber wegen des schlechten Wetters wie viele andere verschoben worden. Dennoch begann der Routinier, der im Mai in Düsseldorf seinen fünften ATP-Titel geholt hatte, konzentriert und setzte Struff mit einem Break zum 1:0 gleich unter Druck. Danach entwickelte sich eine Partie auf durchschnittlichem Niveau, die der Weltranglisten-26. verdient gewann.

In seinem zweiten Match am Donnerstag traf Kohlschreiber auf viel härtere Gegenwehr, hielt die Partie aber zunächst offen. Als Rosol im ersten Satz das Break zum 5:6 aus Sicht des Deutschen gelang, kippte das Match. Kohlschreiber kämpfte zwar verbissen und führte im Tiebreak des zweiten Satzes schon mit 5:4, verlor aber dennoch.

Auch Becker wehrte sich gegen Delbonis lange tapfer. Nachdem er den ersten Satz im Tiebreak für sich entschieden hatte, verließ ihn im zweiten Durchgang das Glück. Nach einem frühen Break von Delbonis zog er bei den langen Grundlinienduellen zu oft den Kürzeren.

Dagegen ist im Italiener Fabio Fognini zumindest der Titelverteidiger im Viertelfinale noch dabei. Der Weltranglisten-15., der Kohlschreiber im Finale 2013 geschlagen hatte, bezwang den Kasachen Andrej Golubev 6:4, 6:4.