Frankfurt/Main - Eins hat Ex-Nationalspieler Franz Reindl mit der Kandidatur für die Präsidentschaft des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) schon erreicht. Das aktuelle Präsidium um den umstrittenen Amtsinhaber Uwe Harnos ist zum Nach- und möglicherweise gar Umdenken gezwungen worden.

Künftig soll einiges anders und vieles besser werden. "Der Sport muss wieder in der Fokus und wir müssen transparenter werden", sagte DEB-Vizepräsident Manuel Hüttl vor der Vorstandswahl am Samstag in Frankfurt/Main.

Harnos selbst hat sich öffentlich rargemacht, seitdem sich der von ihm 2011 als Sportdirektor entmachtete Reindl entschloss, dem Ruf der Proficlubs nach einer Gegenkandidatur zu folgen. "Dabei will ich es belassen. Die Mitglieder sollen das, was ich sagen will, direkt von mir erfahren", sagte Harnos getreu dem neuen Motto im Wahlprogramm seines Präsidiums: "Keine Worthülsen! Wir lassen Taten folgen."

Davon gab es nach Ansicht der Kritiker zu wenige. "In den letzten Jahren wurde nicht viel getan. Das aktuelle Präsidium hat sich in Grabenkämpfe verstrickt, und der Sport bleibt mal wieder auf der Strecke", schimpfte Charly Fliegauf, Manager vom DEL-Club Wolfsburg. Gegenkandidat Reindl wirft seinem Widersacher "Profilneurosen, Machterhalt um der Macht willen, Intransparenz" vor. Das Verhältnis zwischen DEB und DEL war jahrelang mies, erst allmählich nähert man sich wieder an. Doch auch die unterklassigen Clubs verärgerte Harnos immer wieder ungeschickt, weil er sich zu Zusagen hinreißen ließ, die er nicht einhalten konnte.

Für Kopfschütteln sorgte im Vorfeld der Mitgliederversammlung auch die DEB-Mitteilung, die Veranstaltung nicht-öffentlich durchführen zu lassen. "Es gibt interne Dinge, die nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden sollten", rechtfertigte sich Harnos. Dies könnte aber dazu führen, dass Kandidat Reindl bis zur Wahl nicht teilnehmen darf. "Die Kandidaten werden beim Tagesordnungspunkt Neuwahlen logischerweise zugelassen", meinte Hüttl.

Reindl, der als jahrelanger DEB-Spitzenfunktionär und ehemaliger Nationalspieler einen erstklassigen Ruf genießt, sieht "die historische Chance, das deutsche Eishockey zu einen". Damit stößt der Olympia-Bronzemedaillengewinner von 1976 auf großen Zuspruch. Ex-Nationalcoach Hans Zach bezeichnete eine mögliche Wahl Reindls als "Sechser im Lotto", Eishockey-Idol Uwe Krupp lobte: "Es gibt keine qualifiziertere Person" und selbst Nationalspieler und NHL-Star Marcel Goc bezog klar Stellung: "Für mich kann es nur einen Kandidaten aufs Präsidentenamt geben: Franz Reindl. Wenn sich einer im deutschen Eishockey auskennt, und es vorantreiben kann, dann der Franz."

Der 59-Jährige will das Nationalteam im Fall seiner Wahl in den Mittelpunkt jeglichen Handelns stellen: "Wir müssen uns bei einer glaubhaften zeitlichen Perspektive das Ziel setzen, endlich dauerhaft um Medaillen mitspielen zu können." Sollte er gewinnen, wären die Tage von Bundestrainer Pat Cortina als Sportdirektor wohl gezählt: "Ich glaube, dass Pat Cortina ein hervorragender Coach ist. Ich glaube aber nicht, dass er auch zeitgleich Sportdirektor sein kann."

Diese Doppelfunktion ginge unter Harnos weiter. "Grundsätzlich ist Pat Cortina unser Mann als Bundestrainer und Sportdirektor. Das hat sich nicht geändert und das wird sich nicht ändern", sagte Hüttl, der mit Ex-Nationalspieler Ernst "Gori" Köpf und dem Finanzexperten Rudolf Kuhn das Präsidium unter Harnos komplettieren würde.

Um den Konsensgedanken zu untermauern, berief Reindl in Daniel Hopp von den Mannheimer Adlern einen DEL-Mann in seinen "Schatten-Vorstand". Auch ein Landesverband-Vertreter sollte dann in den DEB-Vorstand.

Bei allem Lob für Reindl und aller Kritik an Harnos gilt der Ausgang der Wahl als offen, denn die DEL-Clubs sind nicht wahlberechtigt. Gewählt wird von den Landesverbänden und den Clubs der DEB-Ligen. Die meisten Stimmanteile entfallen dabei auf die mitgliederstärksten Landesverbände. Und diese stehen dem Vernehmen nach hinter Harnos.

Das Prozedere der Vorstandswahl beim Deutschen Eishockey-Bund:


Das Prozedere der Vorstandswahl beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) ist kompliziert. Wahlberechtigt sind die gut 50 Clubs, die im DEB-Ligenbetrieb organisiert sind und die 15 Landesverbände (LEV) des DEB. Jeder Club hat eine Stimme. Das Gesamtergebnis der Clubstimmen wird auf 100 Prozent hochgerechnet und fließt dann mit 50 Prozent in das Endergebnis ein, genauso wie das Ergebnis der Landesverbände.

Hier bedeutet jede Stimme eines LEV zunächst 3,33 Prozent der LEV-Stimmen. Zudem haben die Landesverbände entsprechend ihrer Größe Zusatzstimmen (das Saarland als kleinster LEV 0 Prozent und Bayern als größter LEV 17,58 Prozent). Der Landes-Eishockey-Verband Bayern hat somit eine Stimmgewalt von zusammen 20,92 Prozent aller LEV-Stimmen.