Rostock - Trainer, mach\'s noch einmal. Peter Vollmann startet in seine zweite Amtszeit beim Drittligisten FC Hansa Rostock mit dem Erwartungsdruck der Fans, den einstigen Erstligisten wie schon 2011 wieder in die Zweitklassigkeit zurückzuführen. Der 56 Jahre alte Fußball-Lehrer kann mit dieser Situation umgehen, zu euphorischen Versprechungen verleiten sie ihn allerdings nicht. "Ich bin überzeugt davon, dass wir eine gute Saison spielen werden. Mein Anspruch ist es, unter den zehn Vereinen zu sein, die um den Aufstieg mitspielen", sagte Vollmann und hielt den Ball bewusst flach: "Zu hohe Erwartungen sind für keinen Club der Welt gut, außer vielleicht für Bayern München."

Immerhin sind die Vorzeichen für Vollmann günstiger als vor vier Jahren, als er nach dem ersten Absturz in die Drittklassigkeit nach 20 Abgängen praktisch über Nacht ein neues Team auf die Beine stellen musste. Dieses Mal genügten punktuelle Verstärkungen, die aber vielversprechend zu sein scheinen. "Bei Hansa stimmt es einfach - für mich als Mensch und als Sportler", sagte Christian Stuff. Der 31 Jahre alte Innenverteidiger bringt die Routine von 213 Zweit- und Drittliga-Spielen für den 1. FC Union Berlin mit an die Küste.

Das dürfte bei seiner Wahl zum neuen Kapitän auch eine Rolle gespielt haben. Stuff tritt die Nachfolge von Sebastian Pelzer an, der nicht mehr zur Wahl stand. "Das ist für mich generell etwas Besonderes. Ich war das noch nicht. Als ich hierhergekommen bin, habe ich daran noch keinen Gedanken verschwendet", sagte der Defensivmann am Donnerstag.

Der seit 2010 amtierende Pelzer hatte bereits vorher auf eine erneute Kandidatur verzichtet. "Das hat er mir bereits im Trainingslager Ende Juni in Binz mitgeteilt. Sebastian will sich auf seinen Part als Spieler konzentrieren", sagte Vollmann.

Wie Stuff hat auch Kai Schwertfeger (25), der mit dem Karlsruher SC schon einmal aufgestiegen ist, ein gutes Maß an Erfahrung vorzuweisen. "Manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um einen nach vorn machen zu können. Mein Ziel ist, wieder in die 2. Liga zurückzukehren", sagte der laufstarke defensive Mittelfeldspieler. Für den offensiven Part hat Vollmann, der nach dem Rücktritt von Uwe Vester auch Sportchef der Hanseaten ist, Christian Bickel (23) vom Ligarivalen Energie Cottbus geholt.

Ganz vorn soll Marcel Ziemer (28), der vom 1. FC Saarbrücken an die Küste gekommen ist, der in der Vergangenheit nicht eben furchterregenden Abteilung Attacke mehr Biss verleihen. "Ich bin einer, der vornweg marschiert und dahin geht, wo es wehtut", kündigte Ziemer tatendurstig an. Ein grippaler Infekt hat den wuchtigen Angreifer, der sogar schon in die Bundesliga reingeschnuppert hat, zuletzt etwas zurückgeworfen.

Zum Saisonauftakt am Sonntag bei Preußen Münster wird Ziemer aber ebenso in der Startelf stehen wie die anderen drei Hoffnungsträger. Aus Vollmanns Erfolgself von vor vier Jahren ist neben Pelzer ohnehin nur noch Jörg Hahnel da, sieht man einmal von dem einen oder anderen Reservisten ab. Der Torhüter weiß aus acht Jahren mit 100 Pflichtspielen bei Hansa, wie Aufstieg geht. Leider auch, wie sich Abstieg anfühlt. "Es ist an der Zeit, dass der sportliche Erfolg wieder einkehrt. Dies haben die vielen Fans unseres Vereins verdient", sagte der 32 Jahre alte Routinier.