Chemnitz - Im Stadionrund sind fast alle baufälligen Tribünen abgerissen, die neuen Säulen ragen bereits in den Himmel. In der Sommerpause der 3. Fußball-Liga ist nicht nur der Umbau der Heimspielstätte an der Gellerstraße vorangeschritten, sondern auch das Team des Chemnitzer FC wurde neu formiert. Nach einer missratenen vergangenen Saison wollen die Schützlinge von Trainer Karsten Heine in der neuen Spielzeit mit Mut und Leidenschaft überzeugen.

"Wir haben uns dazu entschlossen, einen größeren Schnitt zu machen, auch aus finanziellen Gründen", sagte der Coach. Der Lizenzspieleretat wurde von 3,24 Millionen Euro auf 2,84 Millionen reduziert. Elf Spieler haben den Verein verlassen, elf Neuzugänge sind hinzugekommen. Mit Marc Hensel (Vertrag bis 2016) und Kolja Pusch (Vertrag bis 2015/beide Mittelfeld) wird nicht mehr geplant, doch beide haben keinen neuen Verein. Hensel stieg nach Überstandener Verletzung am Donnerstag aber wieder ins Training ein.

Nicht nur aufgrund der wirtschaftlichen Lage, sondern vor allem wegen der unschönen Erfahrungen aus der Vorsaison wurde großen Wert auf eine homogene Zusammenstellung des Kaders gelegt. Eskapaden wie der Sturz des ehemaligen Mittelfeldspielers Maik Kegel im alkoholisierten Zustand oder das antisemitische Facebook-Video von Christian Mauersberger sollen der Vergangenheit angehören.

"Letztes Jahr hatten wir andere Ziele. Wir haben daraus gelernt, dass wir nur als Team etwas erreichen können. Jeder Einzelne entwickelt sich besser, wenn das Gesamtgefüge stimmt. Dieses Jahr haben wir einen sehr guten Charakter in der Mannschaft, die Stimmung passt", sagte Kapitän Anton Fink.

Während voriges Jahr vom Aufstieg gesprochen wurde und der Club mit einem zwischenzeitlichen Abstiegsplatz im Winter auf dem harten Boden der Tatsachen landete, werden nun leise Töne angeschlagen. "Wir wollen so schnell wie möglich die 45 Punkte holen. Alles andere wird man nachher besprechen können", erklärte Heine.

Nach der Vorbereitung zeigt sich der Coach ebenfalls mit dem Teamgeist zufrieden. "Die Mannschaft ist bisher gut zusammengewachsen, aber der Auftakt wird zeigen, wie standfest das Gebilde schon ist", sagte der 59-Jährige. Mit dem Auftritt beim Halleschen FC am Samstag und den folgenden Heimspielen gegen den VfL Osnabrück und Arminia Bielefeld haben die "Himmelblauen" einen schweren Start erwischt.

"Das Auftaktprogramm hat es in sich, aber ich finde einen schweren Start besser, als gegen eine zweite Mannschaft zu spielen", befand Fink. Neben ihm stehen in Torhüter Philipp Pentke sowie den Defensivspielern Kevin Conrad und Fabian Stenzel wohl nur drei weitere Spieler aus der bisherigen Stammelf am Samstag auf dem Platz.

Begeistert hat in der Vorbereitung vor allem die neue Innenverteidigung mit Marc Endres (1. FC Heidenheim) und Nils Röseler (FC Twente II). Röseler zog sich jedoch im Test gegen HB Köge eine Verletzung im rechten Sprunggelenk zu. Sein Einsatz ist fraglich. Auch der defensive Mittelfeldspieler Marc Lais (SC Freiburg II/Knie) musste verletzt vom Platz. Seit Donnerstag trainiert Ronny Garbuschewski wieder mit der Mannschaft. Bei dem Mittelfeldspieler hatte es nach einem Mittelfußbruch im März Komplikationen gegeben.