Halle - Trotz Urlaubsflaute ist in Sachsen-Anhalt die Arbeitslosigkeit weiter zurückgegangen. Im Juli waren 120 362 Menschen ohne Job. Das waren rund 2100 Arbeitslose weniger als im Juni und knapp 6000 weniger als vor einem Jahr, wie die Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit am Donnerstag in Halle mitteilte. Rund 89 600 Arbeitslose seien auf Hartz IV angewiesen.

Die Arbeitslosenquote sank im Juli auf 10,3 Prozent, nach 10,4 Prozent im Juni und 10,7 Prozent vor einem Jahr. Sachsen-Anhalt liege im Ländervergleich vor Mecklenburg-Vorpommern, Bremen und dem Schlusslicht Berlin. Bundesweit erhöhte sich die Arbeitslosigkeit im Ferienmonat Juli auf rund 2,87 Millionen Erwerbslose, die Arbeitslosenquote stiegt um 0,1 Punkte auf 6,6 Prozent, wie die Bundesagentur in Nürnberg mitteilte.

In Sachsen-Anhalt sei die traditionell niedrigere Arbeitskräftenachfrage in den Urlaubsmonaten zumindest im Juli nicht spürbar gewesen, sagte der Chef Regionaldirektion, Kay Senius. Zudem spiele der demografische Faktor im Land eine große Rolle beim Abbau der Arbeitslosigkeit. "Auch im Sommer gehen Arbeitslose in Rente, beziehungsweise kommen weniger junge Menschen nach", sagte ein Sprecher der Regionaldirektion. Zudem wurden mehr freie Stellen gemeldet. Im Juli insgesamt 5045, das waren 338 mehr als im Juni und 240 mehr als im Vorjahr.

Gesucht wurden vor allem Gesundheitsberufe wie Ärzte und Krankenpfleger sowie Büroberufe und Beschäftigte zur Herstellung von Lebensmitteln. Die Nahrungsmittelbranche gehört wie die Chemie und die Zulieferindustrie zu den wichtigsten Bereichen der Wirtschaft im Land.

Mit dem Ende des Schuljahres meldeten sich in Sachsen-Anhalt im Juli 521 Jugendliche arbeitslos - weil ihre Ausbildung erst noch beginnt oder sie noch keinen Vertrag dafür haben. Zudem hatten junge Menschen unter 25 Jahren nach ihrer Ausbildung nicht sofort eine Beschäftigung.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Sachsen-Anhalt beklagte indes eine hohe Arbeitslosigkeit Älterer. Besonders problematisch sei es für Menschen über 54, einen Job zu finden. DGB-Arbeitsmarktexperte Lars Niggemeyer zufolge sind sie meist sehr gut ausgebildet und haben eine langjährige Berufserfahrung. Senius forderte alternative Beschäftigungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose, wofür die Politik den Rahmen schaffen könne. Rund 37,6 Prozent der Arbeitslosen im Land - 45 267 Menschen - sind ein Jahr und länger ohne Job.