Magdeburg - Angesichts einer Welle von Empörung über Missstände in der Schweinezucht will Sachsen-Anhalt die Bauern künftig strenger kontrollieren. Zudem stellt das Land mit einem "Ferkel-Erlass" klar, unter welchen Umständen Ferkel getötet werden dürfen und wie dabei vorzugehen ist, teilte das Agrarministerium am Freitag mit.

"Wir wollen nicht akzeptieren, dass einige Schweinehalter ganz offensichtlich Ferkel auf eine Art und Weise töten, die eindeutig gegen den Tierschutz verstößt", sagte Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU).

Zudem stellte er klar: "Ferkel dürfen nicht aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus getötet werden, etwa weil sie überzählig sind. Das scheint manchen Tierhaltern nicht klar zu sein oder sie setzen sich bewusst darüber hinweg."

In dem der dpa in Auszügen vorliegenden Erlass werden verschiedene Tötungsverfahren beschrieben, etwa mit Hilfe eines Bolzens oder per Stromschlag. Unter anderem heißt es dort aber auch in einem Abschnitt über die Betäubung von Ferkeln: "Das Schleudern der Ferkel gegen eine Wand... entspricht nicht den geltenden Rechtsvorschriften."

Der Erlass sieht vor, dass die zuständigen kommunalen Behörden ihre Kontroll-Ergebnisse dokumentieren sollen und die Unterlagen der Tierhalter überprüfen. Bei Hinweisen auf Verstöße müssten Tierkörper am Landesamt für Verbraucherschutz untersucht werden.

Aeikens kündigte zugleich an, das Thema bei der Agrarministerkonferenz Anfang September auf die Tagesordnung zu setzen. In Tierhaltungen ab einer bestimmten Größe müssten bundesweit Tierschutzbeauftragte vorgeschrieben werden. "Wir sollten auch überlegen, ob wir nicht zu einer Neubewertung der Zuchtziele in der Tierhaltung kommen müssen", sagte Aeikens. Die ARD hatte im Juli in der Reihe "Exclusiv im Ersten" eine Reportage über das Thema gezeigt.