Zürich - Vizeweltmeisterin Christina Schwanitz redet gar nicht erst lange drum herum. "Gewinnen wäre mein Wunsch", sagte die Kugelstoß-Ausnahmeathletin vom LV 90 Erzgebirge nach überstandener Qualifikation bei der Leichtathletik-EM in Zürich keck.

Im ersten Versuch stieß die 28-Jährige im strömenden Regen im Letzigrund-Stadion 19,35 Meter - fast zwei Meter mehr als die geforderte Ausscheidungsweite. Ebenfalls in den Endkampf eingezogen ist Lena Urbaniak von der LG Filstal, der 17,17 Meter für das Weiterkommen reichten.

"Das war recht entspannt. Ich bin zudem ein Regentyp und der Ring fühlte sich gut an", berichtete Schwanitz und fügte hinzu: "Am Sonntag im Finale soll aber die Sonne scheinen." Auch das sollte für die 1,80 Meter große Stoßerin kein Hindernis sein, ihrem Trainingspartner David Storl nachzueifern und ihren ersten großen Titel ihrer Karriere fest ins Visier zu nehmen. Der zweimalige Weltmeister hatte sich am Dienstag EM-Gold gesichert.

Allerdings will die Bundeswehrsoldatin den Medaillenkampf nicht lässig angehen, obwohl sie mit der Saisonbestweite von 20,22 Meter mit Abstand die Nummer eins in Europa ist. "Wer weiß, woher man gekommen ist, vergisst das Beißen nicht", sagte Schwanitz. "Deshalb werde ich ehrgeizig und mit Kampfgeist antreten."

Bis zum EM-Finale am Sonntag will sie noch zweimal trainieren. "Wer trainiert, hat Angst, heißt es", meinte Schwanitz, "aber ich habe gerne Angst, wenn ich am Ende gewinne." Immerhin ist auch die Russin Jewgenia Kolodko in die Endrunde eingezogen, die mit 19,33 Meter in der europäischen Rangliste aufgeführt ist.

"Ich denke, 19,50 Meter wird man stoßen müssen, um den Titel zu gewinnen", sagte Schwanitz, für die jeder Tag, "an dem nicht gelacht wird, ein verlorener Tag ist". Der Sonntag könnte für sie ein glorreicher Tag werden. Bisher sind sieben deutsche Kugelstoßerinnen seit 1938 Europameister geworden - zuletzt 2012 in Helsinki Nadine Kleinert. Die Magdeburgerin hat ihre Karriere beendet.