Zürich - Zürich reloaded: Elf Tage nach der Europameisterschaft steigt im Letzigrund-Stadion das nächste Leichtathletik-Highlight. Zwei Stunden "Weltklasse" nonstop, 15 aktuelle Europa-Champions stehen auf der Startliste, auch 15 deutsche Asse kommen zur EM-Revanche zurück.

Als Stargast des Abends hat Meeting-Direktor Patrick K. Magyar wieder den schnellsten Mann der Welt verpflichtet: Usain Bolt kommt schon zum siebten Mal in den Letzigrund. Sein dann wohl drittes 100-Meter-Rennen in dieser Saison dürfte am 28. August das Highlight einer spektakulären Mini-WM werden.

"Die Leute wollen hier Weltklasse-Athleten sehen. Eine solche Lichtgestalt wie Usain Bolt präsentieren wir natürlich gern", sagte Magyar der Nachrichtenagentur dpa. Aber: "Wir hatten Usain Bolt in den vergangenen Jahren zweimal nicht hier - und jedes Mal war das Stadion ausverkauft", erklärte der Schweizer. Auch diesmal ist das 13. von 14 Diamond-League-Meetings ein Renner: Von den 24 000 Eintrittskarten sind nur noch knapp 1000 zu haben.

Von den vier deutschen Zürich-Europameistern ist Kugel-Champion David Storl ganz sicher dabei. Antje Möldner-Schmidt, die am Sonntag EM-Gold über 3000 Meter Hindernis holte, möchten die Organisatoren um Magyar und seinen Nachfolger Andreas Hediger gern noch verpflichten. Stand Montag: "Wir haben beim Management angefragt, aber noch keine Zusage", sagte Magyar. Zur deutschen Entourage gehören auch Sprinter Lukas Jacubczyk, starker EM-Fünfter über 100 Meter, Stabhochspringerin Lisa Ryzih sowie zwei EM-Dritte: Hürdenläuferin Cindy Roleder und Diskuswerferin Shanice Craft.

Doch Bolt dürfte bei seinem ersten Auftritt in der Diamond League wieder alle(s) in den Schatten stellen. Eine Woche nach seinem 28. Geburtstag will der Olympiasieger zeigen, dass er auch in einem Jahr ohne WM und Olympia ein Siegertyp ist. "Mir geht\'s gut, aber ich brauche noch ein paar Rennen. Ich habe gehört, dass sie hier in Zürich eine neue Bahn haben. Jetzt freue ich mich auf die Diamond League umso mehr", hatte der Weltrekordler bei seinem EM-Blitzbesuch am 13. August verkündet.

Bolt freut sich auf sein siebtes Gastspiel im Leichtathletik-Kulttempel. "Auch weil das Publikum hier immer außergewöhnlich ist." In Zürich bibberte er am Abend des 100-Meter-Endlaufs auf der Tribüne, 13 Grad sind nichts für den Mann von der Karibikinsel. Aber in Rio de Janeiro konnte sich der Supersprinter am Wochenende schon mal etwas warmlaufen: In 10,06 Sekunden gewann Bolt nach schwachem Start ein Showrennen an der Copacabana - auf die Hundertstel genau die Siegerzeit von Europameister James Dasaolu in Zürich. Nun kommt es bald zum Duell des Briten mit Bolt - Europa trifft die Welt.

Für Magyar ist das diesjährige Sportfest ein besonders emotionales - der Chef nimmt Ende August Abschied. "Das ist mein achtes Meeting seit Herbst 2007. Zwei Wahlperioden", erklärte er. "Mr. Obama macht auch nicht mehr."