Cincinnati - Achtung New York, der Maestro kommt! Eine Woche vor Beginn der US Open hat sich Roger Federer mit seinem 80. Karrieretitel beim Turnier in Cincinnati in die Favoritenrolle für das letzte Grand-Slam-Event der Tennis-Saison gespielt.

Im Finale der zur Masters-1000-Serie gehörenden Hartplatzveranstaltung bezwang der Schweizer den Spanier David Ferrer mit 6:3, 1:6, 6:2 und entschied auch das 16. Duell mit dem iberischen Dauerläufer für sich.

Rafael Nadal wurde dagegen wieder einmal von seinem Körper gestoppt. Der Spanier sagte seine Teilnahme an den US Open wegen einer Verletzung am rechten Handgelenk ab und kann seinen Titel beim Hartplatz-Klassiker damit nicht verteidigen. "Ihr werdet verstehen, dass das ein sehr schwerer Moment für mich ist, weil ich dieses Turnier sehr liebe", verkündete Nadal via Facebook. "Aber mir bleibt nichts Anderes übrig, als die Situation zu akzeptieren und, wie immer in meinem Fall, hart zu arbeiten, um wieder in der Lage zu sein, auf dem höchsten Level zu spielen, wenn ich zurückkomme."

2013 hatte Nadal im Endspiel Novak Djokovic besiegt, in diesem Jahr triumphierte der 28-Jährige bei den French Open in Paris. Doch seit seinem vorzeitigen Aus in Wimbledon Anfang Juli hatte Nadal kein Spiel mehr bestritten, weshalb sich die Absage in den vergangenen Tagen bereits angedeutet hatte. Sein persönlicher Arzt, Ángel Ruiz-Cotorro, sagte, der Spieler sei noch nicht bereit: "Wir waren auf der letzten Etappe, aber er hat sich noch nicht gut genug erholt für die Anstrengungen der US Open, wo es über fünf Sätze geht." Nadal habe jeden Tag hart trainiert, aber er sei einfach noch nicht bei hundert Prozent, sagte Ruiz-Cotorro der Nachrichtenagentur dpa.

Nadal verletzt, Djokovic außer Form und Andy Murray auf der Suche nach seiner alten Beständigkeit - auf einmal ist Federer der heißeste Kandidat auf den Titel beim letzten Major-Turnier des Jahres. "Ich bin verdammt glücklich mit dieser Woche und reise nun mit viel Selbstvertrauen nach New York", sagte Federer nach seinem dritten Erfolg in diesem Jahr. Zuvor hatte er die Turniere in Dubai und Halle gewonnen. In der ewigen Bestenliste der Open Era haben nur Jimmy Connors (109) und Ivan Lendl (94) mehr Titel errungen.

Mit seinem insgesamt sechsten Triumph beim Traditionsturnier im Bundesstaat Ohio machte der 33-Jährige auch seine mit ihm um die Welt reisenden Kinder glücklich. "Sie haben sich schon beschwert, dass die letzten Pokale etwas klein waren", scherzte Federer mit der riesigen Trophäe von Cincinnati in der Hand. "Endlich bringe ich mal wieder ein großes Ding mit nach Hause."

Die Art und Weise, wie der 17-malige Grand-Slam-Turnier-Champion eine Woche vor den US Open die Konkurrenz bestimmte, erstaunte auch ihn selbst. "Zu Beginn der Woche habe ich sogar einen kurzen Moment überlegt, gar nicht hier zu spielen", berichtete Federer. In der Vorwoche hatte er in Toronto auch das Endspiel erreicht, in dem er dem Franzosen Jo-Wilfried Tsonga unterlag. "Ich wollte nichts riskieren", meinte der Eidgenosse, dem die Strapazen in Cincinnati aber nicht anzumerken waren.

"Ich fühle mich richtig gut, habe keinerlei Beschwerden und kann mich frei bewegen", sagte Federer glücklich. Das war nicht immer so, vor allem im vergangenen Jahr schleppte sich die langjährige Nummer eins von einem Wehwehchen zum nächsten.

Doch nach einer problemlosen Vorbereitung, in die auch die sich immer mehr auszahlende Verpflichtung seines Vorbildes Stefan Edberg als Teilzeitcoach fiel, kehrte Federer wie verwandelt auf die Tour zurück. "Ich zweifle nun keine Sekunde mehr, dass ich drei Sätze durchhalte, gestand die Nummer drei der Welt. Ein Triumph in Flushing Meadows würde das beeindruckende Comeback krönen. Schon jetzt hat er das Ticket für die ATP World Tour Finals in London Ende des Jahres sicher.

Und die Chancen auf einen Sieg in New York stehen nicht schlecht. Während Federer in Topform und voller Selbstvertrauen anreist, kämpft die Konkurrenz mit Problemen. Novak Djokovic? Seit seinem Wimbledonsieg gegen Federer völlig außer Form. Rafael Nadal? Wieder einmal verletzt, Teilnahme in New York noch unsicher. Andy Murray? Längst nicht mehr so dominant wie im vergangenen Jahr, im Viertelfinale von Cincinnati gegen Federer chancenlos.

"Letztes Jahr hatte ich zu diesem Zeitpunkt viel Arbeit vor mir. Dieses Mal werde ich New York genießen können", sagte Federer fast schon euphorisch. David Ferrer hat bereits kapituliert. "Ich kann Roger einfach nicht schlagen", sagte der Spanier, "ich will das dann auf der Senioren-Tour nachholen."