Magdeburg - Sachsen-Anhalt will den Ausbau des Internets beschleunigen. Von 2015 bis 2020 sollen rund 150 Millionen Euro vom Land und den Kommunen in den Ausbau von Breitbandnetzen investiert werden, sagte der zuständige Referatsleiter in der Staatskanzlei, Theo Struhkamp, am Dienstag auf Anfrage. In den Jahren 2009 bis 2014 hatte die öffentliche Hand rund 38 Millionen Euro ausgegeben. Das aktuelle Ausbauprogramm hat sich damit im Volumen fast vervierfacht.

Mit dem Geld entstehen auch dort Netze, wo es sich für die Telekomkonzerne rein wirtschaftlich sonst nicht lohnen würde. Das betrifft auch dünn besiedelte Gebiete wie etwa die Altmark. Ziel der Landesregierung ist es, bis 2020 flächendeckend auf eine Versorgung mit 50 Megabit pro Sekunde zu kommen - möglichst per Leitung und nicht per Funk. "Wir wollen eigentlich flächendeckend den schnellen Festnetzanschluss in Sachsen-Anhalt", sagte Struhkamp.

Der Bund hat die flächendeckende Versorgung mit 50 Megabit pro Sekunde sogar für 2018 angepeilt. Besonders schnelle Leitungen sind für Firmen notwendig, aber auch für Privatanwender, die zum Beispiel hochauflösende Filme über das Internet sehen wollen.

Die Bundesregierung will sich an diesem Mittwoch mit dem Thema Digitale Infrastruktur befassen. Danach wollen Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD), Innenminister Thomas de Maizière (CDU) und Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) eine "Digitale Agenda" der Bundesregierung vorstellen. Mit Spannung wird erwartet, ob damit zusätzliches Geld in den Ausbau gesteckt wird.

Das Förderprogramm des Landes basiert vor allem auf Geld der EU. "Wir sind ein Land mit einem großen Rückstand", sagte Struhkamp. Als Gründe nannte er neben der teils dünnen Besiedelung zwei Aspekte: So wurden in Sachsen-Anhalt kurz nach der Wende damals hochmoderne Telefonleitungen gelegt, die aber heute für das sehr schnelle Internet nicht zu gebrauchen sind. Zudem ist die Verbreitung von Kabelfernsehen in Sachsen-Anhalt geringer als in manchen anderen ostdeutschen Regionen - und daher lassen sich weniger oft die schnellen Kabel-TV-Netze für die Internetdaten nutzen.

Ende vergangenen Jahres hatten in Sachsen-Anhalt rund 23 Prozent der Haushalte die Möglichkeit, sich mit 50 Megabit pro Sekunde an das Internet anschließen zu lassen. Bundesweit waren es dagegen fast 60 Prozent der Haushalte, heißt es in einer Übersicht im Auftrag der Bundesregierung. Eine Versorgung mit mindestens einem Megabit ist in Sachsen-Anhalt und in ganz Deutschland dagegen fast überall möglich. Teilweise muss dabei aber auf Funktechnik gesetzt werden.