New York - Die deutschen Damen müssen\'s richten. Wenn am Montag in New York das Grand-Slam-Spektakel startet, ruhen die Hoffnungen vor allem auf Tennis-Spitzenkraft Angelique Kerber, Aufschlag-Weltrekordlerin Sabine Lisicki und der wiedererstarkten Andrea Petkovic.

"Alle drei wirken sehr stabil. Ich hoffe, dass in der zweiten Woche noch zwei bis drei meiner Spielerinnen dabei sind", sagte Bundestrainerin Barbara Rittner vor ihrem Abflug in die US-Millionenmetropole.

Von den derzeit schwächelnden Männern ist in Abwesenheit von US-Open-Liebhaber Tommy Haas bei realistischer Einschätzung wenig zu erwarten. Zwar stehen acht Herren des Deutschen Tennis Bundes (DTB) im Hauptfeld der mit 36,2 Millionen Dollar dotierten Hartplatz-Veranstaltung, aber lediglich Philipp Kohlschreiber gilt als ernstzunehmender Kandidat für das Achtelfinale oder mehr. Der aus dem Davis-Cup-Team ausgebootete Augsburger trifft am Eröffnungstag auf den argentinischen Qualifikanten Facundo Bagnis.

Gleich zehn der insgesamt 14 DTB-Profis dürfen schon an Tag eins des lautesten und verrücktesten der vier Major-Turniere die schnellen Betonplätze betreten. Die an Nummer sechs gesetzte Kerber (Kiel) trifft auf die russische Qualifikantin Xenia Perwak. Zeitgleich stehen sich Petkovic (Darmstadt) und Ons Jabeur aus Tunesien gegenüber. Das vierte Spiel des Tages bestreitet Lisicki (Berlin) gegen die Kanadierin Francoise Abanda.

"Sabine hat sich nach Wimbledon stabilisiert und auch mal wieder lange Matches gewonnen", sagte Rittner der dpa. In ihrem Spielerinnen-Check für
www.ran.de attestierte die Fed-Cup-Chefin der 24-Jährigen ein wiedergewonnenes Selbstvertrauen. "Und dann weiß man ja, wie sie spielen kann", kommentierte Rittner das Potenzial der letztjährigen Wimbledon-Finalistin, die sie nach einer längeren Schwächephase auf dem Weg zurück zu alter Stärke sieht.


Für eine öffentlichkeitsliebende Spielerin wie Lisicki kam daher eine ganz besondere Auszeichnung gerade zur rechten Zeit. Für ihren Aufschlag-Weltrekord von 210,8 Stundenkilometern verewigte sich die Freundin von Oliver Pocher im Guinness Buch der Rekorde.

"Ich habe schon als Kind hart an meinem Aufschlag gearbeitet. Ich sehe ihn als eine meiner stärksten Waffen", sagte Lisicki. In New York will und muss die Wahl-Amerikanerin auch eine Bewerbung für das Fed-Cup-Finale Anfang November in Tschechien einreichen. "Es ist schon so, dass ich ab jetzt ganz genau hinschaue", sagte Rittner. Bei den vergangenen beiden Erfolgen in der Slowakei und beim Halbfinal-Sieg in Australien fehlte Lisicki im deutschen Aufgebot.

Die Rolle der Nummer eins gehört unbestritten der ruhigen und zurückhaltenden Kerber. Die 26-Jährige aus Kiel schaffte 2011 mit ihrem Halbfinal-Einzug in Flushing Meadows den Durchbruch in die Weltspitze, in der sie sich seitdem konstant hält.

Locker und gelöst absolvierte Kerber am Arthur Ashe Kids Day ein 60-minütiges Training mit ihrer polnischen Freundin Agnieszka Radwanska. Am Himmel dröhnten die Flugzeuge, Hunderte Kinder lärmten und tobten auf den Rängen des Louis-Armstrong-Stadiums. Die blonde Norddeutsche quittierte das Treiben mit einem Lächeln und schrieb geduldig Autogramme. "Sie ist physisch und mental richtig gut drauf. Ich traue ihr alles zu, weil sie gegen jede Spielerin gewinnen kann", sagte Rittner.