Zürich - Ein einziger Wurf brachte ihm 50 000 Dollar und den bislang größten Erfolg seiner Karriere. Elf Tage nach seinem EM-Blackout hat Speerwerfer Thomas Röhler in Zürich mit der persönlichen Bestweite von 87,63 Metern überraschend den Jackpot abgeräumt.

Beim ersten Finale der Diamond League trumpfte der 22-Jährige aus Jena groß auf und schockte die versammelte internationale Konkurrenz gleich im ersten Versuch. Über 17 Meter weiter als bei der Leichtathletik-EM - der erste Sieg eines deutschen Speerwerfers bei "Weltklasse Zürich" seit 13 Jahren (Raymond Hecht/2001) war redlich verdient. Zweiter wurde Olympiasieger Keshorn Walcott aus Trinidad und Tobago (85,77 Meter).

"Ich bin so happy, dass es wieder im ersten Versuch geklappt hat - auf den ersten Wurf war ich voll fokussiert", sagte Röhler, die wertvolle Diamond-League-Trophäe aus Kristall unter dem Arm. Nach einem Wettkampf mit "WM-Finalcharakter" war der Thüringer wirklich "stolz, denn die Leistung steht jetzt".

Ansonsten konnten die EM-müden deutschen Leichtathleten am ersten Zahltag der Diamond League kaum glänzen, große Kasse machte vor allem die Konkurrenz. Kugelstoß-Europameister David Storl wurde hinter seinem US-Dauerrivalen Reese Hoffa mit guten 21,47 Metern Zweiter; der 24 Jahre alte Chemnitzer verpasste damit den Disziplin-Gesamtsieg. Ex-Weltmeister Hoffa wuchtete die Kugel 41 Zentimeter weiter als sein Kumpel Storl. Diskuswerferin Shanice Craft (Mannheim) wurde Vierte, Hürdensprinterin Cindy Roleder (Leipzig) Fünfte - bei der EM hatten beide noch Bronze erkämpft.

"Das war ein wahnsinnig hochklassiger Wettkampf", sagte der Sachse Storl nach dem Showdown vor 25 000 Zuschauern im ausverkauften Letzigrund-Stadion. "Ich bin ganz froh, dass es wieder etwas bergauf geht. Ich starte morgen bei mir zu Hause in Thum - und dann freue ich mich auf das ISTAF am Sonntag in Berlin", meinte der Welt- und Europameister. Routinier Hoffa kassierte 10 000 Dollar für den Tages- und 40 000 Dollar für den Gesamtsieg. Storl blieb auch in der Gesamtwertung nur Platz zwei.

Die große Show lieferten im letzten Rennen eines Weltklasse-Abends die Supersprinter - auch ohne Leichtathletik-Lichtgestalt Usain Bolt. Als Erster stürmte überraschend dessen jamaikanischer Landsmann Kemar Bailey-Cole ins Ziel: 9,96 Sekunden. Zweiter wurde US-Sprinter Michael Rodgers (10,05) vor Europameister James Dasaolu (10,06) aus Großbritannien. Bei leichtem Gegenwind hielt die Weltjahresbestzeit des US-Amerikaners Justin Gatlin (9,80) dem Angriff der Besten stand. Seit 2008 ging der Sieg im Letzigrund nur an die Sprintgarde von der Karibik-Insel.

Der Berliner Lucas Jakubcyk startete im B-Lauf über 100 Meter mit Wut im Bauch: Dritter in 10,22 Sekunden - diese Zeit hätte vor zwei Wochen im EM-Finale zu Bronze statt zu Platz fünf gereicht. Der 29-Jährige wurde nach der Absage von Weltrekordler Bolt, der schon sein Saisonende verkündet hat, in den "Trostlauf" abgeschoben.

Diskuswurf-Olympiasiegerin Sandra Perkovic gewann die Konkurrenz mit 68,36 Metern; ihren Punktsieg im Diamond Race hatte die Favoritin aus Kroatien schon vor dem 13. Meeting der Premium-Serie perfekt gemacht. Vierte wurde Shanice Craft mit 63,44 Metern. "Nach der EM ist die Spannung etwas abgefallen. Mit der Weite bin ich aber ganz zufrieden", sagte die 21-Jährige, der in ihrem "Bronze-Ring" diesmal 1,42 Meter zum dritten Rang fehlten.

Jeder der 32 Disziplin-Gesamtsieger - die ersten 16 in Zürich - bekommt 40 000 Dollar (30 360 Euro); ein Tagessieg bringt 10 000 Dollar. Zweite und letzte Finalstation ist am 5. September Brüssel.