New York - An der Stätte ihres größten Erfolges hat Angelique Kerber eine ihrer bittersten Demütigungen erlebt. 1:6, 5:7 verlor Deutschlands beste Tennisspielerin in der dritten Runde der US Open gegen die 17 Jahre alte Schweizerin Belinda Bencic.

Kerber schulterte ihre Tennistasche, schaute noch einmal grimmig ins Publikum und flüchtete hastig vom Außenplatz 17. Konsterniert drängelte sich Deutschlands Nummer eins an ihrer Bezwingerin Belinda Bencic vorbei. Die Schweizerin ließ sich in New York für ihren ersten Achtelfinal-Einzug bei einem der vier bedeutendsten Turniere minutenlang vom Publikum feiern, während die US-Open-Halbfinalistin von 2011 deprimiert und desillusioniert in der Kabine verschwand.

1:6, 5:7 lautete das enttäuschende Resultat aus Sicht der Weltranglisten-Siebten. "Es war nicht mein Tag. Ich habe viel zu viele Fehler gemacht", sagte die 26 Jahre alte Kielerin, den Kopf auf die linke Hand gestützt, und gestand: "Ich werde erst mal ein paar Stunden brauchen, um die Niederlage zu verdauen. Ich bin ein bisschen traurig, dass mir das ausgerechnet hier passiert ist."

Erstmals seit 2010 verabschiedete sie sich so früh von den US Open. Entzaubert und entnervt von einem Teenager, der das vergangene Jahr noch auf Platz 212 abgeschlossen und sich mittlerweile auf Position 58 gearbeitet hat. Nun wolle sie nach ihrer langen Amerika-Reise "erst einmal ein paar Tage frei machen und den Kopf frei kriegen".

Als einzig verbliebener deutscher Profi in der Herren-Konkurrenz kämpft an diesem Samstag Philipp Kohlschreiber gegen den Amerikaner John Isner um den Einzug ins Achtelfinale. Der 30 Jahre alte Augsburger trifft im dritten Jahr nacheinander in der dritten Runde auf den 2,08 Meter großen Aufschlaghünen. Die Partie ist als drittes Match des Tages im Louis-Armstrong-Stadium angesetzt.

Für Kerber endete dagegen der Traum vom Achtelfinale gegen die aufstrebende Bencic. "Sie ist eine sehr gute junge Spielerin. Aber ich habe keine Angst, gegen sie zu verlieren. Ich gehe raus, um das Spiel zu gewinnen. Ich bin selbstbewusst und fühle mich gut", hatte Kerber vor ihrem ersten Duell mit Bencic noch gesagt - doch davon war auf dem Platz nichts zu sehen und nichts zu spüren.

Bencic hat 2013 bei den French Open und in Wimbledon die Juniorinnen-Konkurrenz gewonnen und zeigte auch gegen die an Nummer sechs gesetzte Linkshänderin keinerlei Respekt. Kerber gab gleich ihr erstes Aufschlagsspiel ab und sah sich permanent in die Defensive gedrängt. Als sie beim Stand von 1:3 mit 30:40 in Rückstand geriet, knallte sie wütend und entnervt ihren Schläger auf den Boden.

Viel besser wurde es im ersten Satz zunächst nicht. Die Norddeutsche stand meist weit hinter der Grundlinie, fand selten die richtigen Schläge und diktierte weder Rhythmus noch Tempo. Mit einem Doppelfehler schenkte sie ihrer Kontrahentin den Punkt zum 5:1. Nach nur 34 Minuten entschied der Teenager aus dem schweizerischen Wollerau den ersten Satz für sich, als sie eine Rückhand unerreichbar für Kerber im Feld platzierte. "Ich weiß, dass ich gegen jede Gegnerin gewinnen kann", hatte Bencic vor der Partie gesagt. Im Gegensatz zu Kerber ließ sie ihren Worten Taten folgen.

Die jüngste Spielerin unter den Top 100 der Welt und nach dem Aus des amerikanischen Teenagers CiCi Bellis die jüngste im Turnier brachte Kerber mit ihrem variablen und druckvollen Spiel immer wieder zur Verzweiflung. Zwar schaffte Kerber im zweiten Satz ein frühes Break zum 2:0 und ging sogar 5:2 in Führung, doch beim Stand von 5:3 und 5:4 vergab sie insgesamt fünf Satzbälle. Nach nur 84 Minuten nutzte Bencic ihren ersten Matchball zum hochverdienten Erfolg.