Kattowitz Der WM-Masterplan von Vital Heynen basiert auf einem simplen Grundsatz.

"Um ein entscheidendes Spiel zu gewinnen, brauchst du die Idee, dass du gewinnen kannst", formulierte der Volleyball-Bundestrainer das Mantra für seine Mannschaft schon nach der gelungenen Qualifikation für die Endrunde in Polen im Januar. Dieser Gedanke soll den Olympia-Fünften von 2012 bei der WM zur ersten Medaille seit 44 Jahren führen. Mit vier Siegen zog die DVV-Truppe souverän in die erste Zwischenrunde ein. Über die Etappen China, Bulgarien, Russland und Kanada soll die WM-Reise weitergehen. Die Idee von der Medaille muss weiter reifen.

Um sein Leitmotiv zu erklären, verweist Heynen gerne auf Olympia in London. "Die Mannschaft hatte als Ziel das Viertelfinale. Als wir das geschafft hatten, haben wir zumindest in unseren Köpfen die Taschen gepackt und sind nach Hause gegangen", sagte der 45-Jährige, der sich bei Auf- und Umstellung des Teams gerne auf seinen Instinkt verlässt. Als Vorbild in der mentalen Vorbereitung könne auch der deutsche Fußball-Rekordmeister dienen. "Bayern München macht das gut, die sind vom Kopf her darauf vorbereitet. Wenn man glaubt, dass man gewinnt, dann hat man die Hälfte schon geschafft."

Heynen räumt dem EM-Sechsten um Diagonalangreifer Georg Grozer viele Freiheiten ein, er verlangt im Gegenzug Selbstbestimmung und Professionalität. Leidenschaft ist für den Belgier ein ebenso wichtiger Faktor, abschalten vom Volleyball fällt ihm schwer. Seine Urlaube legt der Vereinstrainer des polnischen Erstligisten Transfer Bromberg gerne mal in Gegenden, in denen Nachwuchsveranstaltungen stattfinden. "Vital hat uns in den vergangenen Monaten nie das Gefühl gegeben, dass wir etwas nicht schaffen könnten und das pusht Dich als Team natürlich nach vorne", sagte Grozer über seinen Chef.

So kommunikativ und offen Heynen auftritt, so klar formuliert er Lob und auch Kritik. "Die Entwicklung der Bundesliga ist enttäuschend", konstatierte er jüngst. Vielleicht bis auf bei Meister und Vorzeigeverein BR Volleys sei "eher ein Substanzverlust" in der deutschen Eliteklasse erkennbar. Schließlich wurde den RWE Volleys Bottrop die Lizenz entzogen, die Traditionsclubs aus Moers und Haching mussten sich aus finanziellen Gründen aus dem Spielbetrieb zurückziehen. "Es ist ja auch kein Zufall, dass die Stammspieler und fast der gesamte WM-Kader im Ausland spielen", erklärte Heynen.

In dem Berliner Sebastian Kühner und Max Günthör aus Friedrichshafen werden deutsche Fans in der kommenden Saison voraussichtlich gerade mal zwei Schmetterkünstler der Polen-Reisegruppe zu sehen bekommen. Bevor es aber soweit ist, will Heynen bei der WM möglichst lange miterleben, wie stark seine Medaillenidee wirklich ist.