Berlin - Selten hat eine Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) vor dem Start so viel Spektakel und Spannung versprochen. Die am 12. September beginnende 21. Spielzeit dürfte so ausgeglichen wie nie zuvor werden.

Von den neuen Regeln erhoffen sich die Experten zudem deutlich mehr Tore. Und am 10. Januar soll beim Open-Air-Event - dem Derby Düsseldorf gegen Köln - Europas Zuschauerrekord geknackt werden.

Ein klarer Topfavorit ist nicht auszumachen, bevor die DEL drei Tage vor ihrem 20. Geburtstag wieder losgeht. Fast die gesamte Liga macht sich Hoffnungen, den Überraschungsmeister ERC Ingolstadt zu entthronen. "Es ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Favorit zu benennen. Es stehen 14 Mannschaften an der Startlinie, die alle das gleiche Ziel verfolgen", sagte der ehemalige Bundestrainer Uwe Krupp, der mit seinen Kölner Haien zu den üblichen Verdächtigen der Titelfavoriten gehört.

Neu in diesem Kreis ist der von einem österreichischen Brausehersteller gepushte und extrem aufgerüstete EHC München. Die Bayern gehen nach Schätzungen der "Eishockey News" mit einem Budget von zwölf Millionen Euro und damit dem höchsten Etat ins Rennen. "Der EHC Red Bull München wird Meister", tönte der neue EHC-Coach Don Jackson. Der 58-jährige Amerikaner ist einer der alten und neuen Stars der DEL. Mit Berlin gewann er in sechs Jahren fünfmal den Titel, aus Salzburg kehrte er nach Deutschland zurück.

Neben Jackson bauen die Münchner auf Nationalmannschafts-Kapitän Michael Wolf, der in einem aufsehenerregenden Wechsel aus Iserlohn kam. David Wolf zog es hingegen von Hamburg zu den Calgary Flames in die NHL. Alexander Sulzer sah sein Kapitel in der nordamerikanischen Profiliga abgeschlossen und wechselte zum Vizemeister nach Köln.

Gespannt sind Fans und Profis gleichermaßen auf einige neue Regeln. "Ich denke, es wird mehr Tore geben", erklärte Nationalstürmer André Rankel aus Berlin angesichts der größeren Angriffszonen: "Für die Zuschauer wird es interessanter. Es wird ein größeres Spektakel als vorher." Die Stürmer erhalten in der Offensive mehr Platz.

Neben mehr Offensivspektakel soll auch ein erneutes Winter-Game die Fans verzücken. Am 10. Januar treffen im Düsseldorfer Fußball-Stadion die DEG und die Kölner Haie aufeinander. "Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren, und das DEL Winter Game ist in allen Bereichen spürbar", sagte DEG-Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus der "Eishockey News". Er gehe "derzeit von einem Sieben-Stunden-Event aus". Mehr als 30 000 Tickets sind schon verkauft. Zur Verfügung stehen 54 500 Karten - ein ausverkauftes Stadion wie 2013 bei der Premiere in Nürnberg (50 000) wäre Europa-Rekord.

Das Spiel verspricht auch für Servus TV ein Höhepunkt zu werden. Die vom Free-TV-Sender live übertragenen Partien sahen in der vergangenen Spielzeit 470 000 Zuschauer in der Spitze. Mit Hans Zach als neuem Experten ist der Sender weiter dabei, allerdings längst nicht für alle in Deutschland empfangbar. Alternative bleibt das Internet: Laola1.tv zeigt freitags eine Partie. ServusTV überträgt sonntags und beim Saisonauftakt das Duell von Mannheim und Meister Ingolstadt. Am ersten Spieltag gastiert München zudem in Hamburg. Köln tritt in Straubing an, Berlin in Augsburg.

"Im vergangenen Jahr haben wir ligaweit einen Umsatzrekord von über 100 Millionen Euro aufgestellt. Und auch in Sachen TV-Reichweite gibt es deutliche Fortschritte", bilanzierte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke. Am Montag feiert die Liga ihren 20. Geburtstag und sieht sich auf einem guten Weg.

Sportlich scheint die DEL im internationalen Vergleich dagegen noch etwas hinterher zu hinken. In der neuen Champions League blamieren sich die meisten der sechs gestarteten deutschen Clubs derzeit gründlich: Nur fünf ihrer insgesamt bislang 24 Spiele entschieden sie für sich. Einzig die Kölner Haie dürfen sich noch Hoffnungen auf den Achtelfinaleinzug machen. "Ich glaube, dass die DEL in Europa eine starke Liga ist", meinte Eisbären-Manager Peter John Lee dennoch: "Die Liga ist besser als die Ergebnisse."