Kattowitz - Auf ihrer historischen WM-Mission wächst die Gier der deutschen Volleyballer nach Superlativen: "Natürlich bin ich unglaublich zufrieden, aber nur bis heute. Wir haben bisher eine Super-WM gespielt, wollen aber eine Super-super-WM."

"Das ist ein schöner Erfolg auch für mich als Trainer. Aber als größten Erfolg als Trainer sehe ich den Gewinn einer Medaille an", sagte Bundestrainer Vital Heynen nach dem Einzug in die Runde der besten sechs Mannschaften bei der Endrunde in Polen.

Der Vorstoß unter die besten Sechs bedeutet für den Olympia-Fünften schon das beste WM-Ergebnis seit 40 Jahren. Damals wurde die DDR Vierter. "Wohin hier unsere Reise noch geht? Ich hoffe bis zur Medaille", sagte Starspieler Georg Grozer nach dem 3:0 (28:26, 25:22, 25:23) zum Abschluss der zweiten Runde über Kanada. "Das ist unser Ziel, und das wollen wir schaffen." Es wäre erst das zweite Stück Edelmetall in der deutschen Historie, nachdem die DDR 1970 triumphiert hatte.

Vor dem Start in die dritte Runde im Stammort Kattowitz gegen den Weltranglisten-13. Frankreich lasten die deutschen Hoffnungen vor allem auf dem kraftvollen Diagonalangreifer, der in der Rangliste der besten WM-Aufschläger auf Platz zwei hinter dem russischen Riesen Dmitri Muserski liegt. Auf die Wucht Grozers wird es auch zum Abschluss in Gruppe G gegen den Iran ankommen. Effektive Erholungspausen sind da nötig.

"Unsere Betreuer haben zur Regeneration eine Plastik-Mülltonne gekauft und die mit Eiswasser gefüllt. Die nutze ich wie die anderen auch nach jedem Training und jedem Spiel", erzählte Grozer, als er Sonntagnacht mit seinem Töchterchen im Schlepptau als einer der letzten deutschen Spieler aus der Kabine kam. "Meine Schulter, wo ich seit längerem Probleme mit der Durchblutung habe, wird mit anderen Methoden und Mitteln behandelt. Aber ich kann im Spiel nicht jeden Schlag voll durchziehen und muss schon dosieren."

Auf dem Weg zu einer Medaille kennt Außenangreifer Denis Kaliberda nur Vollgas. "Ich bin hier mit meiner Leistung natürlich zufrieden. Aber ein fünfter oder sechster Platz ist nicht das, was ich mir am Ende wünsche. Jetzt kommen die richtig wichtigen Spiele", bekräftigte der 24-Jährige, der bei der WM als effektivster Angreifer geführt wird. Heynen verordnete seinem Team daher zunächst Entspannung. "Legt euch ins Bett und geht zwischendurch kurz spazieren", befahl der Belgier nach dem neunten Duell innerhalb von 14 Tagen.

"Im Prinzip spielen wir innerhalb von drei Wochen so viele Spiele wie in einer ganzen Hinrunde einer Saison, das ist schon sehr außergewöhnlich", erkannte Außenangreifer Sebastian Schwarz. "Man merkt schon, dass man nicht so frisch ist wie zu Beginn, aber wir sind alle noch fit." Kraft ist das A und O, wenn die Krönung folgen soll. "Die WM ist bisher super verlaufen", sagte Heynen. "Wenn sie aber super, super, super sein soll, dann müssen wir am Ende etwas um den Hals hängen haben."