Rom - Nach der WM-Frustvorstellung der deutschen Volleyballerinnen gegen Italien war Verbandsboss Thomas Krohne angefressen. Trotz eines ausgezeichneten Auftaktsatzes brach der EM-Zweite beim 1:3 ein und kassierte seinen nächsten Denkzettel bei der Endrunde.

Medaillenreife sieht anders aus. "Sie wirkten pomadig und ängstlich. Ich wollte am liebsten aufs Feld rennen und sie fragen, wovor sie Angst haben", verschaffte sich Krohne vor fast ausverkaufter Kulisse in der PalaLottomatica Luft. "Natürlich kann man verlieren, aber Italien war schlagbar." Stattdessen zeigten die Gastgeber Deutschland die Grenzen auf.

Während Gianna Nanninis Fußball-Hymne "Un Estate Italiana" von der WM 1990 durch die Boxen wummerte, betrieb Bundestrainer Giovanni Guidetti schon die Aufarbeitung. "Die haben eine Million Euro auf der Bank sitzen, wir 100 000 Euro", beschrieb der 42-Jährige die Tiefe und Ausgeglichenheit des Kaders des Weltranglistenvierten. "Die haben so viel Qualität. Dieses Italien hat ein ganz anderes Niveau." Vor allem die 2,02 Meter große und erst 21 Jahre alte Valentina Diouf war in der Offensive des Weltmeisters von 2002 eine Klasse für sich.

Nicht mal die 22 Zähler von Kapitän Margareta Kozuch konnten die Pleite abwenden. "Das Spiel lassen wir jetzt hier, es muss schnell aus unseren Köpfen raus", forderte sie. Als positiven Ansatz erkannte Guidetti zumindest das Aufbäumen im vierten Satz, als die DVV-Frauen bis auf 16:20 verkürzen konnten. "Über diese Reaktion freue ich mich, das brauchen wir weiter", erklärte der Italiener und meinte damit den Turnierverlauf, aber in erster Linie das abschließende deutsche Spiel in Gruppe A am Sonntagabend gegen Kroatien.

Um die Finalrunde der besten sechs Mannschaften in Mailand nicht komplett aus den Augen zu verlieren, war ein klarer Sieg gegen den Weltranglisten-23. Pflicht. Denn in die Zwischenrunde in Triest, die nach zwei spielfreien Tagen am Mittwoch beginnt, nimmt man nur jene Punkte mit, die man gegen die ebenfalls für die zweite Phase qualifizierten Teams errungen hat. Bei den DVV-Frauen war das vor dem Kroatien-Duell nur der eine Zähler aus der 2:3-Auftaktniederlage gegen die Dominikanische Republik. "Es wird superschwer. Die individuelle Stärke Kroatiens macht allen Angst", erläuterte Guidetti. "Als Team sind wir aber mit Sicherheit besser."

Ein Comeback von Stefanie Karg ist hingegen nur schwer absehbar. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagte die Mittelblockerin zu ihrem doppelten Außenbandanriss im rechten Sprunggelenk. Sie werde intensiv behandelt, einen klaren Plan zur Rückkehr gebe es allerdings nicht.

"Wir hoffen, dass sie es schafft", sagte Guidetti, der für das letzte Gruppenspiel eine simple Rechnung hatte. "Wenn wir gewinnen, haben wir große Möglichkeiten", meinte der Mann aus Modena mit Blick auf die Finalrunde und ergänzte augenzwinkernd: "Wenn wir nicht gewinnen, fahren wir nach Triest, um Urlaub zu machen."