Leipzig - Paralympics-Sieger Markus Rehm darf sich künftig offiziell mit nichtbehinderten Sportlern messen, deutscher Meister wird der unterschenkelamputierte Weitspringer aber nicht mehr.

Wie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mitteilte, können ab dem 1. Januar 2015 behinderte und nichtbehinderte Sportler gemeinsam starten, werden aber getrennt gewertet. Zudem wurde Rehm als deutscher Weitsprungmeister 2014 bestätigt. "Es ist schön, dass ich den Titel behalten darf", sagte der Behindertensportler.

Doch weitaus wichtiger war, dass das DLV-Präsidium den Paragrafen 144.3c ins Regelwerk eingefügt hat, um einerseits die Inklusion zu fördern und andererseits Athleten mit und ohne Behinderung Rechtssicherheit zu verschaffen. Die neue Regel soll so lange gelten, bis es entweder gelingt, sicherzustellen, dass durch die Nutzung technischer Hilfsmittel keine Vorteile erlangt werden und die Leistungen biomechanisch vergleichbar sind, oder der internationale Sport Klarheit geschaffen hat.

"Es ist ein Schritt in die richtige Richtung", findet der 26-Jährige. "Die gemeinsamen Wettkämpfe sind für mich eine tolle Herausforderung und da können wir alle nur von profitieren. Das bringt den paralympischen Sport auch ein bisschen mit dem olympischen Sport zusammen", meinte Rehm.

Auch Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), reagierte positiv: "Das ist eine faire Lösung." Die zwölffache Paralympics-Siegerin Verena Bentele, seit diesem Jahr Behindertenbeauftragte der Bundesregierung, meinte: "Durch die klaren Regelungen wissen alle Sportlerinnen und Sportler, worauf sie sich einlassen. Das ist meines Erachtens im Spitzensport entscheidend. Mindestens genauso wichtig ist aber auch das Bekenntnis des DLV zum inklusiven Sport."

Die Debatte über inklusiven Sport sei "damit jedoch noch lange nicht beendet. Um herauszufinden, wie vergleichbar olympischer und paralympischer Spitzensport ist, muss jetzt vor allem die interdisziplinäre Forschung in diesem Bereich vorangetrieben werden", sagte Bentele. Auch Rehm hofft auf weitere Untersuchungen und Schritte in diese Richtung: "Trotzdem muss man weiter gucken."

Obwohl nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden kann, dass Rehm durch seine Prothese am Sprungbein einen Vorteil gegenüber nichtbehinderten Springern hatte, durfte er den Weitsprung-Titel behalten. "Nach Prüfung aller vorliegenden Unterlagen und einigen ausführlichen Expertengesprächen deutet vieles darauf hin, dass die von Ihnen ausgeführten Sprünge nicht vergleichbar sind mit dem Weitsprung anderer Spitzenathleten", teilte Frank O. Hamm, DLV-Vizepräsident Wettkampforganisation und Veranstaltungsmanagement, Rehm schriftlich mit.

Die in Ulm durchgeführten Messungen würden stark indizieren, dass ein Vorteil gegeben sei. "Allerdings lässt dieser sich nicht mit absoluter Sicherheit aus den bisherigen Ergebnissen ableiten, und insofern ist in der Frage zu Ihren Gunsten zu entscheiden. Daher werde ich Ihre in Ulm erbrachten Leistungen und damit auch den Titel des Deutschen Meisters nicht aberkennen", hieß es in dem Schreiben an Rehm. "Es ist nur konsequent und richtig, dass Markus den Titel behält", meinte Beucher.

Rehm hatte als erster Behindertensportler den Weitsprung bei den Nichtbehinderten gewonnen, als er mit 8,24 Metern vor dem mittlerweile zurückgetretenen Christian Reif (8,20 Meter) gesiegt hatte. Gleichzeitig hatte er die EM-Norm erfüllt, war aber vom DLV nicht nominiert worden, weil biomechanische Messungen gezeigt hätten, dass er durch seine Karbon-Prothese im Vorteil gegenüber nichtbehinderten Springern gewesen sein soll.