Turin - "Fußballerischer Frankenstein", "Multitalent", "Dampfwalze" - selbst den sonst so wortgewaltigen italienischen Medien gehen bei Arturo Vidal langsam die Superlative aus.

Die Zeitungen feierten den Mittelfeldspieler von Juventus Turin nach seinem Führungstreffer und der starken Leistung gegen den AS Rom überschwänglich. Der 26-Jährige selbst mahnte nach dem 3:0-Sieg in der italienischen Fußball-Meisterschaft zur Zurückhaltung: "Wir müssen so weitermachen. Wir haben eine großartige Mannschaft besiegt, die gezeigt hat, dass sie absolut auf dem Niveau für den Titel ist."

Seit seinem Wechsel nach Turin im Jahr 2011 hat der gelernte Mittelfeldspieler Vidal immer mehr Torgefahr entwickelt. Mit acht Treffern in der Liga und fünf in der Champions League ist der Chilene in dieser Saison Juves bester Torschütze. "Es stimmt, ich hatte in der Vergangenheit noch nie eine so gute Torquote wie hier. Conte hat mir dabei sehr geholfen", gab der Ex-Bundesligaprofi zu. "Der entscheidendste Mann in der italienischen Meisterschaft", urteilte "Tuttosport". "Ein gewaltiges Energiemonster im Mittelfeld, ein eiskalter Mittelstürmer im gegnerischen Strafraum."

Nach dem Aus in der Champions League ist Juve zumindest in der Serie A wieder souverän auf Titelkurs. Mitte der Hinrunde hatte die "alte Dame" zwischenzeitlich schon fünf Punkte Rückstand auf den AS Rom, doch nach einer beeindruckenden Serie von zehn Siegen nacheinander haben die Norditaliener mittlerweile wieder die besten Karten im Titelkampf. Acht Punkte beträgt der Vorsprung auf den Zweiten Rom schon. "Juve ist eine Übermacht", titelte "Tuttosport".

Doch von einer Vorentscheidung in der Serie A wollte in Turin niemand etwas wissen. "Wir sind zufrieden, aber nur eingeschränkt. Das war ein Schritt. Die acht Punkte Vorsprung dürfen uns keine falschen Hoffnungen machen", warnte Trainer Antonio Conte. "Wir haben auch in kurzer Zeit 13 Punkte auf Rom aufgeholt." Torhüter Gianluigi Buffon schränkte nach dem Schlusspfiff ein: "Das war noch nicht die halbe Miete, nur ein sehr wichtiger Sieg."

Die Römer, die mit 41 Punkten Tabellenzweiter bleiben, wollten sich von ihrer ersten Saisonniederlage ebenfalls nicht entmutigen lassen. "Für die Meisterschaft bleiben noch 20 Spiele und 60 Punkte zu vergeben, von daher ist noch keine Entscheidung gefallen", kommentierte Coach Rudi Garcia. "Unser Ziel ist nicht der Titel, sondern nach Europa zurückzukehren, aber wir wollen das beste herausholen."

Gelegenheit zur Revanche könnte der Hauptstadtclub schon in einigen Wochen bekommen: Gewinnen die Römer im Pokal-Achtelfinale gegen Sampdoria Genua am Donnerstag, wartet im Viertelfinale erneut der Rekordmeister. Garcia forderte von seinem Team, die deutliche Niederlage beim Tabellenführer schnell abzuhaken: "Jetzt müssen wir umblättern, uns auf Sampdoria konzentrieren und wieder gewinnen."