Zürich - Jupp Heynckes genoss das Rampenlicht. Nach seinem Karriereende zum Welttrainer gekürt zu werden, empfand der ehemalige Bayern-Coach als großes Glück. Sein früherer Kapitän Philipp Lahm freute sich mit dem Ex-Coach und forderte scherzhaft ein wenig Dankbarkeit ein.

Ganz fest hatte sich Heynckes vorgenommen, in seiner Dankesrede auch Jürgen Klopp zu loben. "Ich wollte ihm sagen, dass er ein sehr guter Trainer ist. Und dass er jung ist, und diese Auszeichnung auch noch gewinnen kann", berichtete der ehemalige Bayern-Erfolgscoach nach seiner Kür zum Welttrainer 2013. Die FIFA-Regie verhinderte allerdings einen Heynckes-Gruß an den wieder zweitplatzierten Dortmunder Klopp. "Die haben gesagt, ich habe nur eine Minute. Da dachte ich, da muss ich gar nicht erst hoch gehen", erzählte Heynckes schmunzelnd. Am Rednerpult blieb so nur Zeit für eine Huldigung seines FC Bayern, vom Zeugwart bis zur Führungsriege.

Redebedarf hatte Heynckes nach seinem vielleicht letzten großen Auftritt auf der Fußball-Weltbühne reichlich. Die anderen Preisträger und sogar viele Kamerateams waren aus der Lobby des Zürcher Kongresshauses schon verschwunden, da referierte der 68-Jährige immer noch über sein bewegendes Karriereende als Münchner Erfolgscoach. Englisch, Spanisch, Deutsch - jeder Reporter bekam in der gewünschten Sprache ausführlich Antworten. Es hatte den Anschein, als wüsste Heynckes, dass die kommenden Zeiten ruhiger werden würden.

Ein herzliches Lachen erntete ein spanischer Reporter, der nach der Wahrscheinlichkeit eines Comebacks fragte. "Nein, meine Frau, der Hund, das Haus", nannte Heynckes seine Bezugsgrößen im Rentenalter. Und der Fußball natürlich. "Ich schaue viele Spiele im Fernsehen. Aus Spanien, die Bundesliga natürlich", sagte Heynckes, "Italien zuletzt eher weniger."

Die englische Premier League konnte ihn via TV nicht überzeugen. Seinen FC Bayern sieht er in der Neuauflage des Achtelfinales in der Champions League gegen den FC Arsenal vor keinen größeren Problemen. "Wenn sie ihre Leistung zeigen, habe ich keine Zweifel." Programmierter deutscher Meister war der FC Bayern, für Heynckes mittlerweile die "Weltmacht", schon vor der Saison. "Das habe ich Karl-Heinz Rummenigge auch so gesagt."

Die Bande zu den Bayern sind noch eng geknüpft. Glücklich posierte Heynckes in Zürich mit seinen Ex-Spielern Philipp Lahm, Manuel Neuer und Franck Ribéry. "Ich habe ihn gewählt, also habe ich ihm gesagt, dass er wissen muss, wem er den Titel verdankt", scherzte Lahm.

Einen Wermutstropfen hatte der Gala-Abend in Zürich für Heynckes. "Ich hätte mir gewünscht, dass auch ein Arjen Robben oder ein Thomas Müller in der Weltelf stehen", sagte er. Es wird sicherlich noch eine Weile dauern, bis Heynckes gedanklich so ganz von München loskommt. Ein Fan habe ihn schriftlich nach seiner Traumelf aller Zeiten gefragt, erzählte er. "Ottmar Hitzfeld hat das auch mal gemacht, mit Messi und so weiter. Ich habe angefangen aufzuschreiben: \'Neuer..., und dann die ganze Mannschaft vom Champions-League-Endspiel\'".