Lissabon - Jubel statt Krisengejammere: Cristiano Ronaldo hat mit seinem Triumph bei der Wahl zum Weltfußballer 2013 Portugal in einen Freudentaumel versetzt.

Sogar die Politiker vergaßen für kurze Zeit alle Finanzprobleme und die Rekordarbeitslosigkeit, um dem berühmtesten Sohn des Landes zu huldigen. Während sich in Lissabonner Cafés wildfremde Menschen umarmten, die Gläser erhoben und "Ronaldo, Ronaldo", schrien, jubelte auch Regierungschef Pedro Passos Coelho: "Ronaldo verleiht unserem Land Ansehen!" Für die WM in Brasilien, wo Portugal in der Vorrunde auch auf Deutschland trifft, sei der Sieg von CR7 "ein gutes Omen", meinte der 49-Jährige konservative Politiker.

Als die Siegesnachricht eintraf, veranstalteten Autofahrer nicht nur in den Metropolen Lissabon und Porto minutenlange Hupkonzerte. Freude gab es unter anderem auch in Funchal auf der Atlantik-Insel Madeira, dem Geburtsort des nun zweifachen Weltfußballers. Es gab Sondersendungen im Fernsehen und im Radio, und Daniel Sá vom Marketing-Institut IPAM sagte seinen Landsleuten, der Wert der "Marke Ronaldo" sei jetzt von 40 auf 50 Millionen Euro gestiegen. "Das schaffen nur wenige Unternehmen in Portugal", fügte er an.

Die nationalen Medien waren außer Rand und Band: "Kommandant Ronaldo liegt die Welt zu Füßen", schrieb "Record". Sowohl das Sportblatt als auch die Zeitung "Diario de Noticias" machten das Weinen Ronaldos bei der Siegerehrung in Riesenlettern auf Seite eins zu "Goldenen Tränen". "Ronaldo ist der beste der Welt", freute sich die Zeitung "I", während das Renommierblatt "Público" ungewöhnlich locker jubelte: "Ja, er hat es geschafft. Und er hat geweint."

Auch Staatsoberhaupt Anibal Cavaco Silva gratulierte dem 28-jährigen Stürmer von Real Madrid und sagte, Ronaldo leiste "einen sehr wichtigen Beitrag für die internationale Projektion Portugals." Nationaltrainer Paulo Bento sprach von "Gerechtigkeit" für einen Spieler "mit riesigem Talent". Der Präsident der portugiesischen Profi-Liga LPFP, Mário Figueiredo, erklärte unterdessen, am Tejo sei der Fußball dank Ronaldo "in einem historischen Moment."

Im Moment des landesweiten Jubels hatte lediglich Carlos Queiroz Probleme. Der Ex-Nationalcoach musste seinen Landsleuten erklären, wieso auf seinem Stimmzettel Ronaldo-Rivale Lionel Messi ganz oben und CR7 erst auf Platz zwei erscheint. Im Iran, wo er zur Zeit Chef des Landesauswahl ist, habe der Nationaltrainer nicht das alleinige Stimmrecht, die Abstimmung sei "kollektiv", auch Clubtrainer hätten Stimmrecht. "Wer demokratisch ist, respektiert auch die Meinung der anderen. Der Sieg Ronaldos ist aber verdient", trat er der Kritik entgegen.