Zürich - Lässig schob Nadine Angerer ihren Hut in den Nacken und strahlte über das ganze Gesicht. Die zur Weltfußballerin 2013 gekürte deutsche Torhüterin und Welttrainerin Silvia Neid machten die FIFA-Gala im Züricher Kongresshaus endgültig zu einem deutschen Abend.

"Stolzwieoskar" schrieb Angerer auf ihrer Facebook-Seite und postete dazu Fotos von ihr und Bundestrainerin Neid. "Sprachlos! Vielen Dank an alle! Insbesondere an mein Team, meine Freunde und meine Familie!", hieß es weiter.

Die Wahl durch 147 Nationaltrainer und -Trainerinnen sowie 146 Spielführerinnen und 88 Medienvertreter aus aller Welt war keine Riesenüberraschung. Und doch gab es zuvor Zweifel, ob es eine Torhüterin erstmals auf den Frauenfußball-Gipfel schaffen würde. Am Ende war das Votum sogar eindeutig. Angerer gewann mit 612 Punkten klar vor der US-Stürmerin und Vorjahressiegerin Abby Wambach (539) und Brasiliens Star Marta (493), die die Trophäe schon fünfmal bekam.

"Sie hat das klasse gemacht in den vergangenen Jahren, hat super gehalten, auch für Deutschland. Sie hat es verdient", lobte Angerers männliches Pendant Manuel Neuer bei Sky Sport News HD. Der Bayern-Keeper war selbst in die Weltauswahl berufen worden. "Ich bin wirklich überwältigt. Ich glaube, dass ich erstmal ein, zwei Nächte darüber schlafen muss, um das alles zu realisieren", sagte Angerer.

Die 35-Jährige war mit ihrer Freundin nach Zürich gereist und jettete am Dienstag bereits wieder nach Australien, wo sie noch gut zwei Monate für Brisbane Roar spielt. Im April folgt dann der Umzug nach Portland im US-Bundesstaat Oregon. In der nächsten Saison fängt Angerer die Bälle für US-Meister Portland Thorns FC in der National Women\'s Soccer League (NWSL).

Neid und Angerer wurden insbesondere für die herausragende Europameisterschaft in Schweden belohnt, wo die junge DFB-Elf den achten deutschen EM-Titel überraschend gewann. Angerer parierte beim 1:0-Finalsieg gegen Norwegen gleich zwei Elfmeter und wurde zu Recht als Matchwinnerin gefeiert.

Neid gab bei ihrer Dankesrede in Zürich das Lob an das gesamte Team hinter dem Team zurück. "Man kann solch einen Erfolg nicht alleine schaffen. Dazu gehören viele Leute. Natürlich gilt meiner Mannschaft großer Dank. Ich bin glücklich, mit solchen Spielerinnen arbeiten zu dürfen", sagte Neid, die vor Ralf Kellermann (VfL Wolfsburg) und Schwedens Nationaltrainerin Pia Sundhage gewann.

"Absolut gerechtfertigt" sei die Wahl von Neid, betonte Angerer. "Ich trainiere über 17 Jahre mit ihr, und wir haben unsere Konflikte und Diskrepanzen gehabt. Nichtsdestotrotz ist sie eine Trainerin, die sich selbst unheimlich weiter entwickelt hat und fachlich sehr kompetent ist", lobte die deutsche Spielführerin. Neid besitze "die Fähigkeit, jede einzelne Spielerin besser zu machen".

Die Bundestrainerin gab die Komplimente an ihre Keeperin zurück, der sie einige Monate vor der EM geraten hatte, einige Kilogramm abzunehmen für den Erfolg. Gesagt, getan: "Natze hat es absolut verdient. Wenn man zwei Elfmeter hält in einem Finale und als Torfrau nominiert wird, ist es etwas Besonderes. Für mich ist sie in diesem Jahr einfach die beste Spielerin auf der Welt."