Hannover - Für Tayfun Korkut läuft der Bundesliga-Countdown. Nach der unerwarteten Verpflichtung am Silvestertag feiert der neue Trainer von Hannover 96 am Samstag seine Premiere in der höchsten deutschen Liga.

"Die Wintervorbereitung ist kürzer, aber wir haben gut und viel gearbeitet. Die Mannschaft hat in den Testspielen sehr viel von dem umsetzen können, was wir trainiert haben", bilanzierte der 39 Jahre alte Coach die ersten drei Wochen seiner Amtszeit.

Bis zum Samstag-Spiel beim Nachbarn VfL Wolfsburg will Korkut noch an Details arbeiten. Der frühere türkische Fußball-Nationalspieler möchte mit einer Taktikänderung das 96-Team nach einer enttäuschenden Hinrunde wieder in die Erfolgsspur bringen. Mehr Ballbesitz und mehr Spielaufbau, so lautet kurz gefasst die Spielphilosophie des 39 Jahre alten Bundesliga-Novizen. Im Training und in den drei Testspielen konnte man die Umstellung bereits erkennen. Ein Sieg sprang dabei allerdings nicht heraus.

Laut Korkut stimmte die Grundorganisation. "Aber es ist nicht ganz so einfach, alles perfekt hinzubekommen", erklärte der Trainer. Offen bleibt die Frage, ob seine Ballbesitz-Idee die richtige Taktik für die Spieler ist, die ihm zur Verfügung stehen. Sein Vorgänger Mirko Slomka hatte die Niedersachsen in den vergangenen Jahren mit einem schnellen Umschaltspiel zweimal in der Europaliga geführt und dabei häufig mit wenig Ballbesitz viel erreicht.

Doch seit Jahresbeginn 2013 zeigt die Leistungskurve der 96-Profis kontinuierlich nach unten. Die beängstigende Auswärtsbilanz - null Punkte in acht Spielen - veranlasste letztlich Clubchef Martin Kind und Manager Dirk Dufner zum Trainerwechsel nach der Hinrunde. Dufner stellte dem Liganeuling ein gutes Zwischenzeugnis aus. "In der kurzen Zeit, finde ich, ist schon einiges Positives auf den Weg gebracht worden. Das stimmt mich zuversichtlich", erklärte der 96-Manager im Interview der "Hannoversche Allgemeinen Zeitung."

Von Samstag an zählen aber keine Worte oder gute Stimmung, sondern Punkte. Das weiß auch der stets verbindlich wirkende Korkut. Er zeigte am Montag seine harte Seite, als er die beiden Edelreservisten Adrian Nikci und Ali Gökdemir in die U23-Mannschaft abstellte. "Im Sinne einer effizienten Trainingsarbeit ist mir eine kleinere Gruppe wichtig", sagte Korkut. Er wolle seine erste Chance als Cheftrainer mit aller Gewalt nutzen, hatte er bei seiner Vorstellung erklärt.

Verletzungssorgen um Torjäger Mame Diouf sowie das harte Auftaktprogramm erschweren Korkuts Bundesliga-Start. Hannover 96 muss in den ersten vier Begegnungen dreimal auswärts antreten, zudem kommen im Februar und März die Spitzenclub Mönchengladbach, Bayern, Leverkusen und Dortmund ins heimische Stadion. Da benötigt die Mannschaft nicht nur die richtige Taktik, sondern laut Dufner auch den "Glauben und Willen", dass sie gegen jeden Gegner punkten kann.