Wolfsburg - "Bienvenido Diego": In Großbuchstaben hat Atletico Madrid auf seiner Homepage den brasilianischen Fußball-Profi begrüßt und damit den Transfer des Mittelfeldspielers vom Bundesligisten VfL Wolfsburg zum Tabellenzweiten der Primera Division bestätigt.

Diego erhält vorerst einen Vertrag bis zum Saisonende und kehrt zu dem Club zurück, mit dem er 2012 die Europa League gewann. "Ich fühle große Emotionen", wurde er auf der Atletico-Website zitiert. "Ich bin sehr gespannt und aufgeregt."

Damit wendete das zermürbende Hickhack um den Verbleib von Diego in Wolfsburg. Der eigenwillige Spieler hatte wenige Stunden vor Ablauf der Transferfrist den VfL überraschend um die Freigabe. "Wir haben uns mit Atletico über die Wechselmodalitäten geeinigt. Diego wird verkauft, wir erhalten eine Ablösesumme", erklärte VfL-Manager Klaus Allofs der Nachrichtenagentur dpa.

Die Summe wird auf rund 1,5 Millionen Euro geschätzt. Diegos Vertrag in Wolfsburg endete im Sommer, zu einer vorzeitigen Verlängerung war es nicht gekommen. Mit geschätzten acht Millionen Euro zählte er zu den Großverdienern bei den ambitionierten Niedersachsen "Neben der Ablösesumme sparen wir auch das Gehalt für ein halbes Jahr. Der Transfer hat auch eine finanzielle Dimension für uns, obwohl es nicht unser Wunsch war, Diego vor dem Saisonende zu verlieren", erklärte Allofs.

Die Treueschwüre des Spielers erwiesen sich als wertlos. "Ich habe nur den VfL Wolfsburg im Kopf", hatte Diego noch Anfang des Jahres in einem "kicker"-Interview versichert. Laut Allofs äußerte der 28 Jahre alte Diego aber den Wunsch, zu seinem Ex-Club zurückzukehren. Dort hatte der Ballzauberer bereits 2011/2012 auf Leihbasis gespielt.

Am letzten Tag der Transferfrist ging alles ganz schnell. Diego trainierte zunächst mit dem VfL-Team, fuhr dann aber nicht mit dem Bus zum Samstag-Spiel bei Schalke 04, sondern verhandelte auf der VfL-Geschäftsstelle. Bei den ambitionierten Madrilenen, die in dieser Saison mit den Schwergewichten FC Barcelona und Real Madrid um die spanische Meisterschaft kämpfen, sucht er nun eine neue sportliche Herausforderung.

"Natürlich ist das für uns ein sportlicher Verlust. Einen Spieler wie Diego verliert man nicht gerne", sagte Allofs. Er hatte als Manager von Werder Bremen den Edeltechniker 2006 in die Bundesliga geholt. Diegos Bilanz in Wolfsburg fällt nicht ganz so positiv wie in Bremen aus. Seit seiner spektakulären Verpflichtung im Sommer 2010 von Juventus Turin für rund 15 Millionen Euro konnte der Regisseur die hohen Erwartungen nur selten erfüllen. In 77 Bundesliga-Partien für den VfL gelangen ihm 19 Tore.

In unschöner Erinnerung bleibt der Eklat am letzten Spieltag der Saison 2010/11, als Diego das Mannschaftshotel der abstiegsbedrohten Wolfsburger eigenmächtig verließ. Das führte zu einem Zerwürfnis mit dem damaligen Trainer Felix Magath und der Ausleihe nach Madrid. Diego entschuldigte sich später für den Fauxpas, doch nach seiner Rückkehr verursachten Gerüchte über einen Vereinswechsel immer wieder Unruhe im Wolfsburger Team.

Der VfL hat zuletzt in Kevin De Bruyne einen Diego-Ersatz für rund 20 Millionen Euro vom FC Chelsea geholt. Dennoch wollten Allofs und Trainer Dieter Hecking den Spielmacher im Winter nicht ziehen lassen.