Braunschweig - Der Begriff "Drecks-Sieg" fiel immer wieder. Borussia Dortmund war sich des großen Glücks beim 2:1 beim Tabellenletzten Eintracht Braunschweig durchaus bewusst.

"Wir sind überglücklich über diesen Sieg, den wir uns brutal hart erkämpfen mussten", befand BVB-Coach Jürgen Klopp, dem die Erleichterung über den ersten Dreier seit zwei Monaten in der Fußball-Bundesliga am meisten anzumerken war.

Immer wieder brüllte Klopp an der Seitenlinie, ruderte mit den Armen und wäre in der Nachspielzeit fast zur Salzsäule erstarrt, als Braunschweigs Ermin Bicakcic aufs Tor köpfte. Der Ball klatschte vom Innenpfosten zurück in die Arme von BVB-Keeper Roman Weidenfeller. "Ganz ehrlich: Meine Fresse - das darf doch nicht wahr sein!", schilderte Bicakcic seine Gedanken in diesem Moment, der Dortmund den Dusel-Sieg sicherte. "Wir müssen dankbar sein, hier gewonnen zu haben", bekannte Klopp, der nach Spielende jedem um den Hals fiel, der greifbar war: "So viele dreckige Siege haben wir in unserer gemeinsamen Zeit in Dortmund noch nicht gehabt. Dieser war einer."

Aus Sicht der Westfalen soll das zweite 2:1 in dieser Saison gegen den Aufsteiger ein Wendepunkt gewesen sein nach ernüchternden Wochen mit vier sieglosen Spielen in Serie und einigen schweren Verletzungen. "Es war wichtig, endlich mal Glück zu haben. Wir machen gerade eine Phase durch, in der wir unsere Leichtigkeit über Drecks-Ergebnisse wiederfinden müssen", meinte Nuri Sahin.

In Champions-League-Form war der BVB nach den Negativerlebnissen der vergangenen Woche aber noch lange nicht. In der Defensive standen die Dortmunder trotz der Rückkehr des lange verletzten Nationalspielers Mats Hummels alles andere als sicher. Gegen einen stärkeren Gegner als den limitierten Aufsteiger wäre die Not der Klopp-Elf wohl wesentlich größer geworden. So blieb es bei Benjamin Kessels Tor für die Eintracht (54. Minute) und der Schrecksekunde in der 90. Minute.

"Wenn das 2:2 gefallen wäre, hätten wir uns nicht beschweren dürfen, weil wir einfach zu dämlich gewesen wären", sagte Nationalspieler Marco Reus, der einige Konterchancen leichtfertig vergeben hatte. Es gehörte zu den Unzulänglichkeiten im Dortmunder Spiel, nicht früher für die Entscheidung gesorgt zu haben. "Wenn wir die Sicherheit haben, hauen wir die Bälle auch rein. Aber weil uns die Ergebnisse fehlten, fehlte eben auch die Sicherheit in unseren Abschlussaktionen", monierte Klopp.

Dass er am Ende doch noch jubeln konnte, lag an der Treffsicherheit von Pierre-Emerick Aubameyang, der das gesamte Spiel über kaum zu sehen war, aber zweimal kompromisslos knipste (31./65.). "Er hat einfach außergewöhnliche Abschlussqualitäten", schwärmte Klopp über den Gabuner. "Nach den vielen sieglosen Spielen war der Sieg sehr wichtig: für den Kopf und für das Punktekonto", meinte Aubameyang, dem seine Saisontreffer zehn und elf gelangen.

Mit nun 36 Punkten hielten sich die Borussen zunächst die Verfolger auf den Europa-League-Plätzen etwas vom Leib. Für die Eintracht - mit zwölf Zählern am Tabellenende - wird der Abstand zum rettenden Ufer immer größer. Dennoch ist der Glaube an den Klassenverbleib bei Trainer Torsten Lieberknecht ungebrochen. "Das ist machbar", meinte der Coach, der die gute Leistung seines Teams als Bestätigung anführte: "Wir haben eine Mannschaft gesehen, die den Beweis angetreten hat, bis zum Abschluss alles dafür zu tun, das für viele unmöglich Scheinende möglich zu machen."