Bremen - Auch Borussia Dortmunds schon fast Vergessene wie Not-Transfer Manuel Friedrich oder der lange abgetauchte Henrich Mchitarjan wurden bei Werder Bremen so richtig aufgebaut.

"Das war ein überwältigendes Glücksgefühl. Endlich konnte ich etwas zurückgeben", jubelte Ex-Nationalspieler Friedrich nach dem imposanten 5:1 des BVB am Samstag. Bei den erschreckend schwachen Bremern trug auch der überraschend nominierte Aushilfsverteidiger dazu bei, dass sich der Vizemeister nach langer Durststrecke wieder voller Selbstbewusstsein im Kampf um die direkte Champions-League-Qualifikation zurückmeldete.

Der BVB musste den Erfolg teuer bezahlen und hadert erneut mit seinem Verletzungspech. Einen Tag nach dem Sieg meldeten die Dortmunder die vorläufigen Ausfälle von Marco Reus und Sven Bender. Reus zog sich einen Muskelfaserriss im rechten Oberschenkel zu und wird voraussichtlich zwei Wochen ausfallen. Bender erlitt eine Zerrung im rechten Oberschenkel - Resultat: eine Woche Zwangspause. Beide fehlen damit in den Pokal- und Bundesligaspielen am Dienstag und Samstag gegen Eintracht Frankfurt.

Richtig in den Mittelpunkt spielte sich endlich einmal auch der vor der Saison für gut 25 Millionen Euro verpflichtete Armenier Mchitarjan mit seinen Saisontoren vier und fünf (41./62.). "Ich bin wirklich sehr glücklich", bekannte Mchitarjan nach seiner bislang vielleicht besten Leistung im BVB-Trikot. Vor seinem Doppelpack von Bremen hatte es eine fast fünfmonatige Durststrecke gegeben. "Phasen, in denen es nicht läuft wird es für Spieler immer wieder geben. Aber wir wissen, was er kann", meinte Trainer Jürgen Klopp.

Ähnlich dürfte er auch über seinen alten Schützling Friedrich aus gemeinsamen Mainzer Tagen gedacht haben, als er den Abwehrspieler im vergangenen Herbst aus der Beschäftigungslosigkeit holte. Der Innenverteidiger hatte seitdem in Dortmund einen schweren Stand. Das hohe Niveau der verletzten Mats Hummels und Neven Subotic erreichte er bislang kaum. "Woher soll das auch kommen", hätten sie ihn gefragt, offenbarte Friedrich, der sich nach seinem Vertragsende in Leverkusen nur mit privaten Joggingeinheiten fit halten konnte.

"Ich war selbst sehr unzufrieden", meinte Friedrich nun, stolz auf seine Leistung und seinen Treffer (48.) ebenfalls an früherer Wirkungsstätte: "Jetzt bin ich sehr glücklich. Das 3:0 war ein wichtiges Tor, direkt nach der Pause." Auch aus ihm sprudelte im Überschwang das pure Selbstvertrauen. "Wir haben so geile Kicker in der Mannschaft. Das kannst du nicht verteidigen, wenn wir ins Laufen kommen", meinte Friedrich.

"Ich hoffe ja, dass das jetzt der alte BVB war", meinte auch Doppel-Torschütze Robert Lewandowski (26. Minute/85.). Früh hatte Klopp im Spiel gemerkt, dass sich seine Spieler viel von der schon verloren geglaubten Sicherheit zurückholen konnten. Gegen defensiv schwache und offensiv harmlose Bremer trieb er sein Team auch nach dem 4:0 immer weiter nach vorne.

Beim 2:1 in der Vorwoche beim Tabellenletzten Eintracht Braunschweig war noch viel Glück dabei. Der zweite Auswärtssieg nacheinander nach zuvor zwei Monaten am Stück ohne Bundesligasieg wuchs in Bremen minütlich das Selbstbewusstsein. "Das war das beste Spiel von uns in den letzten Monaten", meinte der Ex-Bremer Sokratis an ehemaliger Wirkungsstätte. Mit nun 39 Punkten festigten die Westfalen Platz drei und wollen nun wieder mehr.

"Wir wollen Zweiter werden", verkündete Nuri Sahin voller Inbrunst nach der Demonstration alter Stärke. "Das war wirklich ein großartiges Spiel meiner Mannschaft", frohlockte auch Klopp: "Wir haben das gesehen, was wir jede Woche sehen wollen und was wir jetzt auch hoffentlich wieder jede Woche sehen werden."