Hamburg - Bastian Schweinsteiger war sofort wieder Chef. Als der Nationalspieler beim mühelosen 5:0-Pokalspaziergang in Hamburg nach vierteljähriger Verletzungspause sein Comeback gab, bekam er vom ausgewechselten Philipp Lahm prompt die Kapitänsbinde überreicht.

Die inszenierte Aktion war ein Vertrauensbeweis von Pep Guardiola für seinen Co-Kapitän. Die Öffentlichkeit sollte sehen, dass der Spanier aller Systemdiskussionen und Top-Alternativen im pompös besetzten Bayern-Kader zum Trotz auf den Defensivstrategen setzt.

"Basti ist ein ganz wertvoller Spieler für uns. Er hat viel Erfahrung", sagte Guardiola nach dem 25-Minuten-Einsatz seines lange geplagten Profis. Anhaltende Schmerzen nach einer Sprunggelenkoperation und Kniebeschwerden setzten den 29-jährigen Fußballprofi mehr als drei Monate außer Gefecht. In Teilen der Öffentlichkeit kam schon die Frage auf, ob Schweinsteiger angesichts der Klasse von Toni Kroos, Thiago, Mario Götze, Javi Martínez und des in die Zentrale versetzten Lahm überhaupt gebraucht wird. Bundestrainer Joachim Löw musste sich die Frage stellen lassen, ob Lahm nicht der bessere Schweinsteiger sei.

Der Hamburger SV war bei Bayerns lockerem Pokal-Viertelfinalsieg am Mittwoch nicht ansatzweise Gradmesser, um das zu beantworten. "Es ist sehr schön, bei der Mannschaft zu sein und so toll empfangen zu werden", befand der Rückkehrer. Schweinsteiger benötige nach der langen Pause allerdings noch Zeit und Spielpraxis, stellte Guardiola heraus. "Er hat in der Saison sehr wenig gespielt. Aber wir haben Champions League, Bundesliga, Champions League. So ist das eine Supernachricht für uns, dass er bei uns ist", sagte der Trainer.

Am Samstag bei der Punktspiel-Pflichtaufgabe gegen den SC Freiburg dürfte Schweinsteiger erneut allenfalls als Joker zum Einsatz kommen, ebenso wie am Mittwoch kommender Woche im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Arsenal. Spätestens danach aber wird es für ihn darum gehen, sich im hochkarätigen Münchner Ensemble wieder einen Stammplatz zu erkämpfen, wieder Leistungsträger zu werden. "In den nächsten Wochen kommen entscheidende Spiele. Daher ist es wichtig, ihn im Boot zu haben", urteilte Nationaltorwart Manuel Neuer.

Einen festen Platz in der Mittelfeldzentrale hatte lange auch Toni Kroos, ehe der strenge Guardiola ihn zuletzt zweimal für 90 Minuten auf die Bank setzte. Wie schon bei Mario Mandzukic wirkte die erzieherische Maßnahme auch bei Kroos, der vor zwei Wochen in Stuttgart nach seiner Auswechslung die Handschuhe verärgert zu Boden geworfen hatte. Bei seinem ersten Startelfeinsatz seit der zwischenzeitlichen Degradierung stach er in Hamburg heraus, bereitete die Tore von Dante (26. Minute) und Arjen Robben (54.) vor. Und Mandzukic, der bereits seit einiger Zeit wieder Guardiolas Vertrauen genießt, traf sogar dreimal selbst (22./74./76.).