Leverkusen - Einen Tag vor dem Topspiel gegen Schalke 04 sorgte Bayer Leverkusens Trainer Sami Hyypiä mit der Nicht-Berücksichtigung von Sidney Sam für einen Paukenschlag.

Weil der 26 Jahre alte Angreifer von der kommenden Saison an für den Gegner aus Gelsenkirchen stürmt, hält der Finne ein Mitwirken von Sam im Spiel des Tabellen-Zweiten gegen den Vierten am Samstagabend nicht für sinnvoll. "Schalke ist der künftige Arbeitgeber und Sidney spielt dann bei einem direkten Konkurrenten um die Champions League. Ich finde es nicht gut, wenn er spielt. Ich möchte ihn und auch uns schützen", kommentierte Hyypiä Sams überraschende Ausbootung für das Topduell in der BayArena.

Der finnische Fußball-Lehrer, der als Aktiver viele Jahre lang beim englischen Premier-League-Club FC Liverpool spielte, begründete die Maßnahme mit den Gepflogenheiten auf der Insel. "In England ist es Gesetz, dass jemand nicht gegen seinen künftigen Arbeitgeber oder seinen Ex-Club spielt", sagte Hyypiä und betonte: "Das hat nichts mit seiner Leistung zu tun. Sidney hat eine sehr gute Saison gespielt und ist sehr wichtig für uns."

Die Konstellation war für Sam in der Tat pikant: Gewinnt Bayer gegen Schalke, rückt die direkte Qualifikation für die kommende Champions-League-Saison in greifbare Nähe, aber sein künftiger Club müsste womöglich bis zum Ende um die Königsklasse zittern. Unterliegt Bayer, würden Sams persönlichen Chancen steigen, sich auch im nächsten Jahr auf Europas größter Fußball-Bühne zu präsentieren. Schlecht zu spielen - das hätte sich der unter besonderer Beobachtung stehende Profi auf keinen Fall leisten können.

Hyypiä will Sam diese Problematik ersparen und allen Spekulationen vorbeugen. Mit der Streichung des Leistungsträgers nimmt er sogar eine Schwächung des eigenen Teams gegen den um sechs Punkte schlechteren Verfolger in Kauf. "Stellen Sie sich vor, Sam schießt drei Tore gegen seinen künftigen Verein, oder er spielt schlecht...", gab Hyypiä zu bedenken. Für Sam könnte Jens Hegeler ins Team rutschen, der Einsatz von Stefan Reinartz und Lars Bender ist fraglich. Bei Schalke fallen die Nationalspieler Benedikt Höwedes (Muskelfaserriss) und Julian Draxler (Sehnenabriss) weiter aus.

In den vergangenen Tagen hatte schon Horst Heldt über Sams Einsatz gegen den Revierclub philosophiert. "Das ist keine einfache Situation für ihn", hatte Schalkes Manager erklärt. Aber da konnte er noch nicht damit rechnen, dass Hyypiä sein Offensiv-Ass Sam (sieben Tore, sieben Torvorlagen) freiwillig aus dem Kader nehmen würde.

Bislang ließ Sams Einsatz für die Werkself, die gegen Königsblau den insgesamt 500. Bundesliga-Sieg feiern könnte, nichts zu wünschen übrig. Gegen Stuttgart und in Mönchengladbach bereitete der Kieler zuletzt jeweils den Siegtreffer vor. Und gemeinsam mit Stoßstürmer Stefan Kießling ist Sam der Topscorer. Daher lässt auch Hyypiä nichts auf Sam kommen. Er habe ihm seine Entscheidung bereits am Donnerstag mitgeteilt und erläutert. Wie Sam darauf reagierte, mochte Hyypiä am Freitag nicht verraten. "Da müssen Sie ihn schon selbst fragen."

Nicht nur in Leverkusen, auch bei Schalke steht Sam seit langem hoch im Kurs. Daher war Heldts Freude groß, als er Anfang Januar dessen Verpflichtung vom 1. Juli 2014 an bis 2018 verkünden konnte. Was Heldt bisher nicht sagte: Mit ihm wappnet sich der Club auch für den Fall, dass Eigengewächs Julian Draxler nach der WM in Brasilien von einem europäischen Topclub weggekauft wird. Da Schalke in Jefferson Farfán einen Flügelstürmer von internationalem Format auf der rechten Seite hat, wäre Sam links die erste Option.

Mit den Beiden hätten die Königsblauen auch im Fall des Draxler-Verlustes weiter ein absolutes Top-Duo auf den Außenpositionen. Und in Sam, der am 29. Mai 2013 im Testspiel gegen Ecuador bei Joachim Löw in der DFB-Elf debütierte, einen weiteren deutschen Nationalspieler mit guter Zukunftsperspektive.