Florianópolis/Brasilien - Bosniens Nationaltrainer Safet Susic hatte sich beim Strandspaziergang einen heftigen Sonnenbrand geholt, seinem Schweizer Kollegen Ottmar Hitzfeld stand ebenso wie Kameruns Chefcoach Volker Finke ständig der Schweiß auf der Stirn.

Beim WM-Workshop der 32 teilnehmenden Mannschaften in Florianópolis durften sich die Fußballlehrer schon mal an die brasilianischen Temperaturen gewöhnen. Alles halb so wild - meinte der deutsche Mannschaftsarzt Tim Meyer angesichts von knapp 30 Grad. Nach Ansicht des Sportmediziners ist das Team von Joachim Löw auch bestens auf die Hitze-Spiele bei den Weltmeisterschaften vom 12. Juni bis 13. Juli vorbereitet.

"In Japan war es 2002 auch sehr heiß. Und im Übrigen auch in Deutschland 2006", sagte Meyer der dpa. "Es ist natürlich beanspruchend, aber damit werden wir schon fertig. Wir sind gut vorbereitet und können die WM mit der notwendigen Gelassenheit angehen." Dabei tritt die DFB-Auswahl in den Vorrundenspielen im heißen Nordosten an - gegen Portugal in Salvador am 16. Juni, gegen Ghana in Fortaleza am 21. Juni und gegen die USA in Recife am 26. Juni. "Eine WM der Strapazen", hat Löw angesichts der verschiedenen Klimazonen und der weiten Entfernungen prophezeit.

"Die Reisezeiten und auch die Klimabedingungen spielen eine wichtige Rolle, auch für unsere Mediziner. Gerade was die Regeneration und die Behandlung bei Verletzungen angeht", sagte Oliver Bierhoff. Der Nationalmannschaftsmanager hat aber auch betont: "Es gibt kein Jammern und Lamentieren - das ist die Mentalität, die wir den Spielern mitgeben werden."

Meyer war im vergangenen Jahr bereits drei Wochen in Brasilien und hat sich nun bei der Tagung der Mannschaftsärzte und FIFA-Medizinexperten über Details der Turniervorbereitung informiert. "Hier herrscht ein etwas anderer Lebensrhythmus und man sollte den so schnell wie möglich akzeptieren. Ich glaube, dass wir uns mit den Eigenheiten und medizinischen Besonderheiten des Landes gründlich auseinandergesetzt haben", sagte der Lehrstuhlinhaber für Sport- und Präventivmedizin an der Universität Saarbrücken.

Sein Forschungsschwerpunkt ist - ausgerechnet - die Kühlung nach sportlichen Höchstleistungen. Regeneration ist das A und O bei tropischen Temperaturen. Löws Team dürfte allerdings als Gruppenerster zum Achtelfinale ins kühle Belo Horizonte und bei einem weiteren Sieg ins bis dahin gemäßigte Rio de Janeiro. Auch bei einem möglichen Halbfinale in Belo Horizonte müsste die DFB-Auswahl nicht mehr als europäisches Sommerwetter fürchten.

Meyer ist deshalb vor seiner vierten Weltmeisterschaft ziemlich gelassen. Am Wichtigsten sei es, die Nationalspieler genau zu informieren. "Da geht es in erster Linie um Infektionsschutz und Umgang mit den klimatischen Rahmenbedingungen. Wir informieren die Spieler zum Beispiel über die Vorbeugung gegen Mückenstiche und über den angemessenen Umgang mit der an manchen Orten zu erwartenden feuchten Hitze", erklärt der 46-Jährige. Man müsse aber Augenmaß wahren. "Brasilien ist ja kein Drittweltland, und wir wohnen in Hotels der gehobenen Kategorie, da ist es nicht so, dass das Trinken von Leitungswasser unmittelbar zu Durchfall führt."