Stuttgart - Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte sich Thomas Schneider unter den Journalisten nochmal um. Noch Fragen, sollte seine Mimik bedeuten. Es gab keine mehr, Schneider verließ die Katakomben des Stadions.

Gerade hatte der VfB Stuttgart zum siebten Mal in Serie verloren, gerade hatte der 41-Jährige Zweifel an seinem Verbleib als Trainer des schwäbischen Krisenclubs zerstreut. "Ich spüre die absolute Rückendeckung. Die Arbeit wird gesehen, auch wenn die Ergebnisse ausbleiben", beteuerte er nach dem 1:2 (1:1) gegen Hertha BSC vor heimischer Kulisse. Bei manch einem Stuttgarter Spieler sah man hingegen teilweise Fassungslosigkeit.

Die Schwaben stecken in einer besorgniserregenden Krise. Sieben Niederlagen in Serie kassierten sie letztmals 1986/87. Negativrekord. Da hieß der Trainer noch Egon Coordes, am Ende wurde der VfB Zwölfter. Dafür würde der Club derzeit viel geben. Und Schneider bleibt. Schafft der von der Vereinsführung weiter gestützte Coach am Sonntag bei Eintracht Frankfurt aber nicht den Befreiungsschlag, dürfte der Druck zu groß werden. "Wir brauchen die Trendwende, wir müssen Spiele gewinnen", forderte Sportvorstand Fredi Bobic.

"Ich bin absolut davon überzeugt, dass wir das zusammen stemmen können. Ich bin keiner, der vor so einer Situation davon läuft", erklärte Schneider. "Wir müssen versuchen, für den Trainer zu spielen", meinte Verteidiger Antonio Rüdiger. "Wir wollen mit dem Trainer die Wende schaffen und da unten rauskommen", beteuerte auch Torwart Sven Ulreich.

Herthas Sportgeschäftsführer Michael Preetz hält das Festhalten am Trainer für vollkommen richtig. "Der Verein bewahrt Ruhe, das ist entscheidend", meinte der selbst in zahlreichen Krisenlagen erprobte frühere Nationalstürmer. In solch einer schwierigen Phase müsse man "die Scheuklappen runternehmen" und das Glück erzwingen. Als ob das der VfB nicht schon längst versuchen würde.

Das Duell gegen die Hertha war vielleicht ein Paradebeispiel. Die Stuttgarter sind bemüht, Auflösungserscheinungen bei weitem nicht zu erkennen. Doch die Fehlerquote in Defensive sowie Offensive ist zu hoch und manch eine Entscheidung des Schiedsrichters tut dann ihr übriges. Wie eben am Samstag, als Referee Robert Hartmann wenige Minuten vor Schluss ein vermeintliches Foul an Timo Werner nicht ahndete. Das habe den VfB "auf die Verliererstraße gebracht", meinte Schneider, da kurz danach Sandro Wagner für den K.o. sorgte. Bobic sah gar "katastrophale Fehlentscheidungen".

Wagner genügten gerade mal sieben Minuten auf dem Platz, um das 2:1 zu markieren. Zwei Minuten nach Ablauf der regulären Spielzeit musste sich der Stürmer dann mit Gelb-Rot wegen wiederholten Foulspiels wieder zum Duschen verabschieden. Lewan Kobiaschwili (5. Minute) hatte die spielerisch besseren Gäste in Front geschossen, ehe Arthur Boka (45.) mit einem wuchtigen Schuss aus 20 Metern für den zwischenzeitlichen Ausgleich sorgte.

"Das war doch ein etwas glücklicher Sieg", räumte Hertha-Coach Jos Luhukay nach dem fünften Sieg aus den vergangenen sechs Spielen in der Fremde ein. Von so einer Bilanz kann der VfB nur träumen. "Wir sind im Abstiegskampf", stellte Bobic fest. "Das wird eine lange Woche bis Frankfurt." Zeit, in der Schneider die Wende einleiten muss und die Spieler ihre Verunsicherung in den Griff kriegen müssen.

"Abstiegskampf ist brutal. Das ist brutal für den Kopf", betonte Ulreich. Mit Blick auf Tabellenplatz 15, den die Stuttgarter trotz ihrer Horrorserie noch belegen, meinte Cacau: "Wir dürfen uns nicht blenden lassen. Wir werden da aber rauskommen." Denn eines will er unter allen Umständen vermeiden: "Ich möchte nicht absteigen."