Wolfsburg - Beim VfL Wolfsburg wächst der Glaube an die Champions League. Nach dem vierten Pflichtspielsieg in Serie gaben auch die Verantwortlichen des hoch ambitionierten VW-Clubs ihre zuletzt so gepflegte Zurückhaltung ein Stück weit auf.

"Wir würden uns nicht dagegen wehren, in der Champions League zu spielen", verkündete VfL-Coach Dieter Hecking nach dem 3:1-Sieg gegen den direkten Konkurrenten Bayer Leverkusen.

Immer wieder hatte Hecking in den vergangenen Wochen die Fragen nach der europäischen Fußball-Königsklasse unwirsch zurückgewiesen. Doch nun gab Wolfsburgs Trainer im Hinblick auf die möglichen internationalen Wettbewerbe Champions League oder Europa League bereitwillig zu: "Ich werde schon lieber zu Platz vier gefragt." Noch deutlicher wurde Ricardo Rodriguez. "Wir müssen so weitermachen, dann schaffen wir das auch", meinte der Schweizer, der den Endstand besorgt hatte (72. Minute), ganz konkret zum Thema Champions League.

Der VfL stellt von den Teams hinter dem einsamen Spitzenreiter Bayern München derzeit die konstanteste Mannschaft. Während alle anderen Konkurrenten sieglos blieben, sammelte Wolfsburg Big Points. Noch ist das Hecking-Team Fünfter, doch der einstmals Elf-Punkte-Abstand auf den Tabellenzweiten Leverkusen beträgt nur noch vier Zähler. Auf den FC Schalke auf dem Champions-League-Rang vier sind es nur noch zwei Punkte. "Einen Spieltag haben wir nun schon mal aufgeholt", frohlockte Hecking nach dem dritten Bundesliga-Sieg hintereinander.

Nach vier Jahren Europa-Abstinenz scheint die Europa League für den Meister von 2009 der Minimalanreiz zu sein. "Wenn wir alle so weiter spielen, dann klappt das. Dann sollte Platz fünf, sechs oder sieben drin sein", meinte Sportchef Klaus Allofs.

Das besondere am Höhenflug des VfL ist die derzeitige Effizienz. Spielerisch bieten die Wolfsburger wenig Atemberaubendes. Auch der wichtige Sieg gegen die nach zuvor drei Pflichtspielpleiten verunsicherte Bayer-Elf fand auf sehr überschaubarem Niveau statt. Nur gewinnt Wolfsburg auch die schwachen Spiele. So war es beim nur scheinbar deutlichen 3:0 gegen Mainz, so war es beim 2:1 in Berlin nach 0:1-Rückstand und so war es jetzt gegen Leverkusen nach unterlegener ersten Hälfte. "Momentan läuft es einfach sehr gut", befand Winterzugang Kevin De Bruyne, der besser ins Mannschaftsspiel der Niedersachsen passt als der Individualist Diego.

Seit der Mittelfeldzampano im Januar auf den letzten Drücker zu Atlético Madrid wechselte, fehlt dem VfL zwar das spektakuläre in der Offensive. Der mannschaftlichen Geschlossenheit tat der Abgang aber offensichtlich sehr gut. "Wenn wir als Team gewinnen, ist mir das viel lieber, als wenn das dem Können eines einzelnen zu verdanken ist", meinte Allofs dazu.