München - Pep Guardiola hat gesprochen - und seine Ansage drei Tage nach dem 0:4-Debakel gegen Real Madrid war so klar wie einst bei der Verpflichtung seines Wunschspielers Thiago.

"Nächstes Jahr werden wir mit meinen Ideen spielen", erklärte der 43 Jahre alte Starcoach am Freitag - plakativ hieß das: Pep-Fußball oder nix! Der Katalane wird seinen Weg beim FC Bayern kompromisslos weitergehen. Der heftige Champions-League-K.o. gegen Real habe ihn sogar "noch mehr überzeugt" von seiner Fußball-Philosophie, die "einfach" sei: Ballbesitz gepaart mit Dominanz im Mittelfeld.

Ihn gibt es als Trainer nur so - und die Vereinsführung müsse entscheiden, "ob der Trainer der Richtige für den Club ist". Daran wiederum hat der Vorstand um Karl-Heinz Rummenigge und Matthias Sammer auch nach dem bitteren Ausscheiden im Champions-League-Halbfinale keine Zweifel aufkommen lassen.

Kurzfristig muss Guardiola seine nach dem Real-Desaster am Boden liegende Mannschaft wieder aufrichten. Denn nur zwei Wochen bleiben den Bayern, um mit einem guten Gefühl für den Gewinn des Doubles ins Pokalendspiel gegen Borussia Dortmund zu gehen. "Wir wollen in bester Stimmung nach Berlin fahren", sagte Guardiola. Der Stimmungsumschwung soll an diesem Samstag mit einem Erfolg beim stark abstiegsbedrohten Hamburger SV eingeleitet werden.

"Wir haben eine große Niederlage erlitten. Aber wir müssen nach vorne gehen. Wir müssen unsere beste Leistung zeigen", forderte Guardiola. "Wir müssen uns fokussieren auf Hamburg." Seine Finalelf für Berlin will er dort aber noch nicht aufbieten. Mit dem so wichtigen Mittelfeldspieler Thiago rechnet er nach dessen Knieverletzung übrigens maximal als Joker im Pokalendspiel.

Man müsse versuchen, bis zum Titelduell mit Dortmund "wieder die Form zu haben, wie wir schon hatten in dieser Saison", verkündete Torhüter Manuel Neuer vor seinem 250. Bundesligaspiel. Dem großen Saisonfinale gegen den Erzrivalen gilt nun die gesamte Konzentration. Es wird die Gesamtnote für die Saison und für das erste Jahr von Guardiola in München entscheidend beeinflussen. "Es gibt nur eine Regel in großen Vereinen: Du musst immer gewinnen. Wenn du nicht gewinnst, trägst du als Trainer das Risiko", weiß Guardiola. Am Ende zählen keine Ideen, abgerechnet wird in Titeln.

Guardiola kann aber nur seinen Weg. Nur dann könne er auch die Gefolgschaft der gesamten Mannschaft gewinnen. "Es ist unmöglich, wenn ich den Spielern etwas sage, was ich nicht fühle. Sie sind intelligent." Jeder Spieler habe natürlich seine eigene Idee vom Fußballspiel, "aber wir müssen mit den Ideen des Trainers spielen".

Guardiola plant jedoch keinen personellen Kahlschlag. Und er ist auch nicht beratungsresistent in Gesprächen mit den Bossen wie der ehemalige Bayern-Coach Louis van Gaal. Er plant fest mit aktuell unglücklichen Profis wie Thomas Müller, Mario Götze oder Javi Martínez, die er namentlich nannte. "Sie werden nächstes Jahr hier spielen", versicherte Guardiola. Auf alle Akteure gemünzt verkündete er mit fester Stimme: "Diese Spieler werden mit meinen Ideen spielen - hundertprozentig!"

Er sei "zufrieden" mit seinem Kader, der bis zum Gewinn der Meisterschaft Ende März den Fußball in Deutschland, aber auch in Europa dominiert hatte. "Wir haben es überragend gemacht mit diesem System und diesen Spielern in dieser Saison", erklärte Guardiola: "Es ist nach einer großen Niederlage in der Champions League nicht alles schlecht - und nach einem Sieg nicht alles gut."

Guardiola kündigte dennoch eine klare Saisonanalyse mit Rummenigge und Sammer nach dem Pokalfinale an. Die hätte es aber ohnehin gegeben, betonte er. Die auch persönlich große Niederlage gegen Real Madrid, "die immer in meinem Kopf und im Herzen bleiben wird", werfe ihn aber bestimmt nicht um: "Ich bin stark!"