Stuttgart - Auf den Abschied von Trainer Huub Stevens waren beim VfB Stuttgart alle vorbereitet. Nach nur zehn Bundesligaspielen hatte der niederländische Kurzarbeiter genug - und VfB-Sportdirektor Fredi Bobic muss mal wieder einen Neuanfang moderieren.

"Alles ist leer. Ich will nicht nach drei, vier Monaten gegen die Wand laufen", begründete der 60 Jahre alte Stevens seinen Abgang beim VfB nach dem 0:1 am letzten Spieltag bei Bayern München. "Ich fühle an meinem Körper, dass es eine schwierige Zeit war. Jetzt habe ich einige Wochen nötig, um wieder Kräfte zu sammeln." Nach dem Spiel in München informierte Stevens die Mannschaft über sein Ende beim VfB, Bobic wusste bereits seit Freitag Bescheid.

Der Retter will jetzt in Ruhe in den Urlaub fahren, für Bobic hält die intensive Zeit dagegen noch eine Weile an. Der von den VfB-Fans heftig kritisierte Sport-Vorstand muss erneut eine Neuausrichtung des schwäbischen Fußball-Bundesligisten vorantreiben. Stevens war nach Bruno Labbadia und Thomas Schneider bereits der dritte Coach der Stuttgarter in dieser verpatzten Saison. "Die Entscheidung, wer jetzt Trainer wird, werden wir sehr zeitnah fällen", versprach Bobic. Zeitnah heiße in diesem Fall "nicht erst in zwei Wochen", ergänzte ein Vereinssprecher.

Parallel präsentierte Eintracht Frankfurts scheidender Coach Armin Veh einen ähnlichen Zeitplan. "Ich werde zeitnah eine Entscheidung treffen - was auch immer das auch heißen soll", sagte der 53-Jährige nach dem 1:2 der Hessen in seiner Heimatstadt Augsburg. Anfang März hatte Veh verkündete, dass er seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag in der Mainmetropole nicht verlängern wird - seitdem wird gerätselt. Zu Spekulationen, er beerbe Stevens in der neuen Saison beim VfB Stuttgart, wollte er keine Stellung nehmen.

Dass der Stuttgarter Meistercoach von 2007 dem Trainertyp entspricht, den der VfB nach dieser ernüchternden Spielzeit verpflichten will, verdeutlichten die Aussagen nach der Pleite in München. Es war ein Spiel, "mit dem die Saison am letzten Tag ihr i-Tüpfelchen erreicht hat", wie Bobic es beschrieb: Claudio Pizarros Last-Minute-Tor war in dieser Saison der 20. Gegentreffer der Stuttgarter in der letzten Viertelstunde. "Mit Sicherheit haben die zehn Spiele mit Stevens viel gezeigt. Das war ein sehr erfahrenes Trainerteam und das hat der Mannschaft gut getan", sagte Bobic.

Auch Torwart Sven Ulreich hegt den Wunsch nach einem Coach mit Erfahrung: "Die Tugenden, die Huub Stevens hat, das ist schon wichtig. Ein erfahrener Trainer, der konsequent durchgreift und konsequent seine Entscheidungen trifft, so einen brauchen wir", sagte der 25-Jährige.

Erst am vorletzten Spieltag hatte der VfB den Klassenverbleib gesichert. Damit sich so etwas nicht wiederholt, will VfB-Präsident Bernd Wahler "mehr Sportkompetenz in den Verein einbinden". Die Folge könnte ein Sportausschuss mit Fußball-Fachleuten sein, die das Management beraten - und dazu ein erfahrener Trainer wie Veh, der die Gegebenheiten in Stuttgart kennt.

2007 hatte er den VfB völlig überraschend zur Meisterschaft geführt. Auch nach seinem Abgang im Herbst 2008 ist die Verbindung nie abgerissen: Veh hat immer noch Kontakt zu einigen Spielern aus der Meistermannschaft, wie etwa zu Stuttgarts Kapitän Christian Gentner. Auch im Umfeld des Vereins genießt er weiterhin viele Sympathien und könnte damit für jene Aufbruchstimmung sorgen, die Wahler nach einer enttäuschenden Saison und dem finalen Tabellenrang 15 erzeugen will.