Berlin - England setzt bei seiner WM-Mission auf Jugendpower, Russland vertraut auf Spieler aus der Heimat und Japan auf mehr als ein halbes Dutzend Deutschland-Gastarbeiter.

Einen Tag vor Ende der Meldefrist für die vorläufigen WM-Kader haben gleich mehrere Fußball-Nationaltrainer ihre vorläufigen Personalentscheidungen publik gemacht. Jürgen Klinsmann, mit den USA dritter Gruppengegner der DFB-Auswahl, startet mit vier Bundesliga-Profis in die Vorbereitung. Für Deutschlands zweiten WM-Gegner Ghana nominierte Chefcoach James Kwesi 26 Akteure - drei davon muss er bis zum 2. Juni noch aus dem Aufgebot streichen. Ein erstes verbales Scharmützel vor dem Duell mit dem DFB-Team am 21. Juni in Fortaleza startete Kevin-Prince Boateng.

Der Schalke-Profi sprach Deutschland die Titeltauglichkeit ab. "Sie müssen Weltmeister werden oder mindestens ins Finale. Aber sie haben nicht die Typen in der Mannschaft, die alle mitreißen können", sagte er am Montag bei einer Presserunde in Gelsenkirchen. Das Team von Bundestrainer Joachim Löw bringe zwar fußballerisch eine "überragende" Qualität mit, aber "immer, wenn es drauf ankam, haben sie es nicht geschafft", sagte der gebürtige Berliner Boateng - dessen Bruder Jérôme für Deutschland spielt. In Ghanas Aufgebot fehlt Boatengs Noch-Teamkollege aus Schalke Anthony Annan.

Der frühere Bundestrainer Klinsmann berief ein 30-köpfiges Aufgebot für die USA. Fabian Johnson von 1899 Hoffenheim, John Anthony Brooks von Hertha BSC und der Nürnberger Timothy Chandler wurden für die Abwehr nominiert, Julian Green von Rekordmeister Bayern München für das Mittelfeld. Auch der gebürtige Frankfurter Jermaine Jones von Besiktas Istanbul und die früheren Bundesliga-Profis Landon Donovan und Michael Bradley sind in Klinsmanns Kader dabei.

In England sorgte die Ausmusterung von Ashley Cole für Aufsehen. Der Außenverteidiger des FC Chelsea erklärte kurzerhand seine Karriere in der Nationalmannschaft für beendet. Trainer Roy Hodgson setzt auf junge Akteure. Elf der 23 WM-Kicker der Three Lions haben bisher zehn oder weniger A-Länderspiele absolviert. Dazu zählen unter anderem die Youngster Luke Shaw (Southampton), Raheem Sterling (Liverpool) und Ross Barkley (Everton). Die meisten Länderspiele im Kader kann Routinier Steven Gerrard (Liverpool/109) aufweisen. Er zählt gemeinsam mit Frank Lampard (Chelsea) und Wayne Rooney (Manchester United) zu den erfahrensten Akteuren.

Wie schon beim Confed Cup 2013 reist Japan mit einer großen Deutschland-Fraktion nach Brasilien. Sieben Bundesliga-Profis berief Nationaltrainer Alberto Zaccheroni in Tokio in seinen 23-köpfigen Kader: Atsuto Uchida (FC Schalke 04), Hiroki Sakai (Hannover 96), Gotoku Sakai (VfB Stuttgart), Makoto Hasebe, Hiroshi Kiyotake (beide 1. FC Nürnberg) und Shinji Okazaki (FSV Mainz 05) in seinen 23-köpfigen WM-Kader. Dazu kommt Yuya Osako vom Zweitligisten TSV 1860 München. Zum Brasilien-Aufgebot gehört auch der frühere Dortmunder Shinji Kagawa, der seit 2012 für Manchester United spielt.

Russland fährt ein Gegenmodell und baut mit Ausnahme des früheren Stuttgarters Pawel Progrebnijak ausschließlich auf Akteure aus der heimischen Liga. Der 30 Jahre alte Stürmer vom englischen Zweitliga-Club FC Reading wurde am Montag von Nationaltrainer Fabio Capello in den 30 Spieler umfassenden Kader berufen. Angeführt wird die Sbornaja von Alexander Kerschakow von Zenit St. Petersburg. Im Gegensatz zu anderen Trainern schöpfte Capello die Maximalzahl von 30 Spielern aus.

Kameruns Nationaltrainer Volker Finke holte drei in Deutschland aktive Profis in sein 28-köpfiges Aufgebot. Zumindest vorläufig dabei sind der Mainzer Eric Maxim Choupo-Moting, der Schalker Joel Matip und Mohamadou Idrissou vom Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern.

Die Meldefrist der FIFA endet am Dienstag um 24.00 Uhr. Bis zum 2. Juni müssen die Kader auf die WM-Stärke von 23 Akteuren reduziert werden. Anschließend kann jedes Team nur noch verletzte Akteure ersetzen und zwar bis 24 Stunden vor dem ersten eigenen Gruppenspiel.