Berlin - Nur wenige Tage vor der WM-Eröffnung liefert sich eine hochkarätige Weltauswahl einen Wettlauf mit der Zeit. Von Cristiano Ronaldo über Manuel Neuer bis Diego Costa, von Yaya Touré bis Luis Suarez - eine Reihe prominenter Fußballer humpelt in den Saison-Höhepunkt.

Bangende Trainer, betende Fans und aufgeregte Berichterstatter warten nervös auf jede neue Diagnose der schwer beschäftigen Team-Ärzte. Für ihre Schlüsselspieler brechen Übungsleiter wie Joachim Löw sogar mit ihrem Prinzip, nur topfitte Profis mit nach Brasilien zu nehmen. "Mit Verletzungen muss ich als Trainer leben", sagt Löw fast schon fatalistisch.

Für den Franzosen Franck Ribéry und Russlands Kapitän Roman Schirokow kam am 6. Juni das bittere WM-Aus, ihren Leidensgenossen hilft jetzt nur noch gutes Heilfleisch. Ob Sami Khedira nach seinem Kreuzbandriss, Chiles Hoffnungsträger Arturo Vidal nach Problemen am Meniskus oder der Schweizer Mittelfeld-Wirbler Xherdan Shaqiri nach drei Muskelfaserrissen - alle schuften sie bis zum Umfallen für ihre WM-Form rechtzeitig für den Anpfiff in Südamerika. Nicht immer geht das gut. Wunderstürmer Radamel Falcao schockte Kolumbien in dieser Woche mit dem endgültigen Verzicht auf die WM. Das kaputte Kreuzband ist noch nicht gut genug verheilt.

Andere reizen die Kaderfristen des Weltverbands FIFA voll aus. Bis 24 Stunden vor Anpfiff des jeweils ersten Gruppenspiels darf jedes Team einen nachweislich verletzten Profi noch austauschen. Also berief Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps den Bayern-Star Ribéry in sein 23-köpfiges Aufgebot - das hat sich nun schnell erledigt, denn der Mittelfeldmann musste seine WM-Teilnahme wegen Rückenproblemen absagen. "Mein Körper streikt zum ungünstigsten Zeitpunkt", soll Ribéry zuvor Vertrauten bereits gesagt haben.

Auch Portugals Lichtgestalt Ronaldo, der im Januar Ribéry und den ebenfalls formschwachen Argentinier Lionel Messi bei der Wahl zum Weltfußballer hinter sich ließ, hat von seinem Nationaltrainer vorerst trotz Krankenscheins einen Freibrief. Selbst wenn der Champions-League-Sieger von Real Madrid wegen seiner Sehnenentzündung im linken Bein und einer damit verbundenen Muskelverletzung für das Auftaktmatch gegen Deutschland am 16. Juni ausfallen sollte, wird Coach Paolo Bento ihn sicher nicht nach Hause schicken.

Sogar Spaniens Erfolgstrainer Vicente del Bosque fügte seinem Luxuskader einen maladen Spieler hinzu. Torjäger Diego Costa von Atlético Madrid soll die endlosen Debatten um echte und falsche Neuner beenden und schreckt dafür auch nicht vor Besuchen bei einer "Wunderheilerin" in Belgrad zurück, um sich dort mit Pferde-Plazenta am wunden Oberschenkel behandeln zu lassen. "Wir haben Untersuchungen gemacht und es geht mir gut", versichert Costa ausdauernd.

Solche Sätze hört man dieser Tage immer wieder. "Bleibt ruhig", mahnte Uruguays Topstürmer Suárez, der nach einer Knie-Operation nur eingeschränkt trainieren kann. "Ich habe keine großen Sorgen", beteuerte der Japaner Gotoku Sakai vom VfB Stuttgart, den es ebenfalls heftig am Knie zwickt. "Ich würde es nicht einmal eine Verletzung nennen", erklärte der nach einer Zwangspause um Fitness bemühte Robin van Persie, nachdem er im WM-Test der Niederländer gegen Wales vorzeitig den Platz verlassen musste.

Ja, diese Testspiele. Zum einen bieten sie den Fußkranken die Chance, doch noch rechtzeitig den Form-Nachweis zu liefern. Aber sie bergen auch die Gefahr neuer Blessuren, wie Englands Alex Oxlade-Chamberlain gegen Ecuador zu spüren bekam. Wegen seiner Innenband-Verletzung wird der 20 Jahre alte Rechtsaußen wohl mindestens das erste Spiel gegen Italien verpassen. "Die WM steht vor der Tür, und jeder Zwischenfall kann dich draußen lassen", schlussfolgerte Argentiniens Angel di Maria messerscharf und meinte mit Blick auf die letzten WM-Tests voller Sorge: "Ich würde die Partien lieber gar nicht spielen, aber es geht ja nicht anders."

Eine Auswahl als Welt-Elf:


TOR: Manuel Neuer (Deutschland) - Schulterverletzung

ABWEHR: Gotoku Sakai (Japan) - Probleme am rechten Knie, Kolo Touré (Elfenbeinküste) - Malaria, Andrea Barzagli (Italien) - Mandelentzündung mit Fieber, Philipp Lahm (Deutschland) - Kapselverletzung am linken Sprunggelenk

MITTELFELD: Arturo Vidal (Chile) - Meniskusprobleme, Yaya Touré (Elfenbeinküste) - muskuläre Probleme, Cristiano Ronaldo (Portugal) - Sehnenentzündung im linken Bein

ANGRIFF: Diego Costa (Spanien) - Oberschenkelblessur, Luis Suarez (Uruguay) - Meniskusverletzung im linken Knie