Hannover - Fabian Ernst hätte mit dem Fußball noch viel Geld machen können. Dem früheren Nationalspieler lagen einige Angebote vor, er ist fit, ein paar Jahre wären im Profibereich noch locker drin gewesen.

"Aber irgendwo in einem Team zu spielen, zu dem ich keine emotionale Bindung habe, das hätte keinen Spaß mehr gemacht", sagt der 35-Jährige. Nur bei einem Verein wäre er schwach geworden: Weil Bundesligist Hannover 96 sich aber nicht bei ihm meldete, spielt er jetzt fünf Ligen tiefer kostenlos beim OSV Hannover in der Landesliga. Was treibt ihn an?

"Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem man für sich und seine Familie einen Lebensmittelpunkt finden will. Für uns war früh klar, dass das meine Heimatstadt Hannover sein soll", sagt er. Ernst gewann 2004 mit Werder Bremen das Double aus Meisterschaft und Pokal und spielte 27 Mal für Schalke, Bremen und Istanbul in der Champions League. Doch vor rund einem Jahr wurde ihm bewusst, dass die Zeit für eine Rückkehr zu den Wurzeln reif ist.

Seinen Vertrag in der Türkei löste er auf, weil ihm der Spaß am Fußball verloren zu gehen drohte. Der Vater von Zwillingen zog in die niedersächsische Landeshauptstadt zurück, baute mit seiner Familie ein Haus und kickte nebenbei in der Ü 32 von Hannover 96. Dort traf er Biniam Hadera, den Trainer des OSV, der den sensationellen Transfer für den früheren Zweitligaclub in die Wege leitete.

"Das ist gerade für meine jungen Spieler ein echter Hammer. Fabian hat eine unfassbare Ausstrahlung, die können so viel von ihm lernen", sagt der Coach. Auch für viele gegnerische Teams ist das Duell mit dem OSV der Höhepunkt der Saison. Fast jeder Spieler kennt den Ex-Profi aus dem Fernsehen, nach den Spielen muss Ernst hin und wieder Autogramme schreiben und für Fotos posieren. "Im ersten Spiel kam sogar die Schiedsrichterin und sagte mir, dass ich dem Fabian Ernst total ähnlich sehen würde", sagt der 35-Jährige mit einem Schmunzeln.

Der Prominentenstatus schützt aber auch den 306-fachen Bundesligaspieler nicht vor dem Aschenplatz. In der Vorbereitung wurde beim OSV regelmäßig auf dem "roten Rasen" trainiert. "Trotzdem war Fabian immer da und ist auch jetzt immer da. Er ist ein absolutes Vorbild", betont Hadera. Dafür muss er sich nicht einmal viel bewegen. Auf dem Platz dirigiert er, schießt Freistöße und hat eine nahezu fehlerfreie Passquote. Und wenn der Double-Sieger doch mal die persönliche Handbremse löst und ein Dribbling startet, bleibt den meisten Gegenspielern nur das Staunen.

"Der Zwang des Profiseins ist weg, jetzt ist alles mit wesentlich mehr Spaß verbunden. Das ist schon auch ein Stück weit befreiend", sagt Ernst, der kurz vor der Heim-WM 2006 überraschend aus dem DFB-Kader gestrichen wurde. Die Jahre im Profibereich mit vielen Verpflichtungen und einer stark eingeschränkten Lebensweise haben ihn geprägt. Ein Leben ohne Fußball ist für ihn aber kaum vorstellbar. "Vielleicht mal mit 60 oder so. Aber so schnell ist da kein Ende in Sicht", versichert er. Der OSV wird sich freuen.