Dortmund - München 21, Dortmund 7. Von einem Duell auf Augenhöhe kann diesmal wahrlich keine Rede sein. Und doch elektrisiert das Duell der Branchenführer auch diesmal die Massen - trotz des bereits komfortablen Punktvorsprungs der Bayern.

Anders als in den vorigen Jahren reist der BVB nicht als ärgster Widersacher des Rekordmeisters, sondern als Tabellen-15. an. Im Fall einer weiteren Niederlage droht dem Revierclub die schlechteste Auftaktbilanz seiner Bundesliga-Geschichte. Selbst in der Abstiegssaison 1971/72 war die Ausbeute nach zehn Spieltagen besser.

Dieses mögliche Negativ-Szenario blendeten alle Beteiligten vor der Reise nach München wohlweislich aus. "Wir werden es allen noch zeigen und damit am Samstag anfangen. Wir wollen die Bayern ärgern", tönte Weltmeister Kevin Großkreutz.

Noch ist der Glaube an die eigene Stärke nicht erloschen - auch nach zuletzt vier Bundesliga-Niederlagen nicht. "Wir sind Borussia Dortmund und haben immer noch eine enorme Qualität. Dieses Selbstvertrauen müssen wir auch wieder auf dem Platz ausstrahlen", sagte Routinier Sebastian Kehl den "Ruhr Nachrichten".

Das 3:0 im Pokal am Dienstag beim Zweitligisten St. Pauli werteten alle Beteiligten als Mutmacher. Zumindest in der ersten Halbzeit schöpfte der zu Saisonbeginn mit über 50 Millionen Euro aufgerüstete Kader sein zuletzt auf nationaler Ebene brachliegendes Potenzial wieder halbwegs aus.

Das bestärkte Jürgen Klopp in seinem Glauben an eine Trendwende. "Dass die Bayern einen außergewöhnlichen Kader haben, bekommt die restliche Fußball-Welt derzeit alle vier Tage zu spüren. Aber jede Mannschaft ist schlagbar", sagte der BVB-Trainer. Er stellte erbitterte Gegenwehr seiner Profis in Aussicht: "Wir wollen alles geben, ohne vorherige Kampfansagen. Die stehen uns in unserer derzeitigen Situation nicht zu. Aber ein bisschen was geht immer."

Hoffnung macht zudem die jüngste Bilanz. Immerhin gab es in den vergangenen vier Bundesliga-Spielzeiten beim FC Bayern beachtliche drei Siege für den BVB und ein Remis. "In München haben wir zuletzt häufig ganz gut ausgesehen. Wenn die kompakt auftreten, haben wir eine Chance", sagte Kehl.

Nicht zuletzt aufgrund der vergangenen Duelle in der Allianz-Arena genießt der Gegner bei Karl-Heinz Rummenigge noch immer höchste Wertschätzung: "Auch wenn der BVB jetzt ein paar Probleme in der Liga hatte: die aktuelle Tabellensituation ändert nichts am Stellenwert dieser Partie. Ich bin mir sicher, dass sich Dortmund auch in dieser Saison locker für die Champions League qualifizieren wird", sagte der Vorstandschef im "Bayern-Magazin" des deutschen Fußball-Rekordmeisters und fügte an: "Ich sehe den BVB und den FC Bayern als Lokomotiven der Bundesliga."

Ähnlich wie Rummenigge verlieh auch Nationalspieler Jerome Boateng der Partie das Prädikat Spitzenspiel: "Na klar ist es das. Der BVB ist eine der besten Mannschaften Europas."

Auch die anderen Bayern bemühten sich nach dem 3:1-Pokalsieg in Hamburg, die in der Bundesliga schwächelnden Borussen starkzureden. Thomas Müller schwante nichts Gutes: "Möglicherweise hat Dortmund es gegen uns sogar leichter als gegen andere Mannschaften. Die werden sich hinten ein bisschen reinstellen und ihr gefährliches Konterspiel aufziehen."