Rostock - Die schweren Krawalle am Rande der Drittliga-Partie zwischen Hansa Rostock und Dynamo Dresden sollen ein politisches Nachspiel haben.

Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) kündigte an, bei der nächsten Innenministerkonferenz mit seinen Länderkollegen besprechen zu wollen, "wie wir konsequent gegen die Rädelsführer der Ausschreitungen vorgehen können". Nicht nur die Zahl der Angriffe auf Polizisten, sondern auch die Zahl der Straftaten im Zusammenhang mit Fußballspielen nehme insgesamt zu.

Laut dem im Oktober vorgestellten Jahresbericht der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze ZIS der Polizei stieg die Zahl der Strafverfahren am Rande von Spielen der 1. und 2. Liga im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent, in der 3. Liga um 13 Prozent.

Bei den Ausschreitungen in Rostock wurden nach Polizeiangaben 13 Beamte verletzt. "Mehrere Hundert Personen, die dem Fanspektrum des Vereins Hansa Rostock zuzurechnen sind", bewarfen demnach Polizisten und Gebäude mit Steinen. An einer Polizeiwache wurden durch Steinwürfe mehrere Fensterscheiben beschädigt. Der Sachschaden beläuft sich nach Polizeiangaben auf 40 000 Euro. Mehrere Mülltonnen und Sperrmüllhaufen seien angezündet, an sieben Fahrzeugen von Dresdner Fans Reifen zerstochen worden.

Insgesamt stellte die Polizei die Identität von 67 Menschen fest, 30 Strafanzeigen wurden aufgenommen. Die Polizei ermittelt unter anderem wegen Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz.

Ein direktes Aufeinandertreffen von Fans beider Vereine wurde laut Mitteilung der Polizeiinspektion Rostock verhindert. Insgesamt waren demnach 1700 Polizeibeamte verschiedener Bundesländer sowie der Bundespolizei an dem Einsatz beteiligt. Schon während des Spiels war es zu Ausschreitungen gekommen. Die Partie musste für zwölf Minuten unterbrochen werden, nachdem Dynamo-Anhänger im Gästeblock Pyrotechnik gezündet hatten. Dresden gewann das Spiel mit 3:1.

Caffier sagte, er erwarte von der Hansa-Führung und Fanvertretern, dass sie sich "ganz klar von diesen Aktionen distanzieren und gemeinsam mit der Polizei die Ereignisse prüfen, analysieren und auch entsprechende Sanktionen für die kommenden Spiele prüfen". Hansa könne sich keinen weiteren Image-Schaden leisten.

Beide Vereine verurteilten die erneuten Verfehlungen. "Der Einfluss eines Fußballvereins hat jedoch gewisse Grenzen, weshalb wir für diese Straftaten Einzelner keine Verantwortung übernehmen können und wollen", sagte Rainer Friedrich, Vorstand für Stadionmanagement und Prävention beim FC Hansa. Dresdens kaufmännischer Geschäftsführer Robert Schäfer erklärte: "Diese Personen müssen strafrechtlich verfolgt, abgeurteilt und bestraft werden. Was heute passiert ist, wird für den Verein sicherlich Konsequenzen haben."