Dortmund - Fußball-Nationalspieler Marco Reus ist nach seinen Autofahrten ohne Fahrerlaubnis wieder ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

Es werde geprüft, ob der 25 Jahre alte Profi von Borussia Dortmund noch häufiger als bislang bekannt ohne Fahrerlaubnis am Steuer gesessen hatte, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Zuvor hatten mehrere Medien darüber berichtet.

Reus hatte vergangenes Jahr wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis in sechs Fällen einen Strafbefehl in Höhe von 540 000 Euro erhalten. Weitere Konsequenzen für Reus sind abhängig von der Zahl der Fahrten, die ihm am Ende der Ermittlungen vorgeworfen werden. Eng wird es für ihn, wenn die Ermittler ihm viele illegale Fahrten vorwerfen und es zu einer Anklage kommt. "Dann ist es möglich, dass Marco Reus eine höhere Strafe erwartet, nach der er als vorbestraft gilt. Das kann eine Geldstrafe sein, die über 90 Tagessätze liegt", sagt die Kölner Strafrechtsexpertin Simone Lersch.

Reus könnte aber auch ohne weitere Strafe bleiben. "Wenn es sich nur um wenige Fahrten handelt, die gegenüber den bereits abgeurteilten sechs Taten nicht ins Gewicht fallen, kann die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen einstellen", sagt die ehemalige Staatsanwältin.

Das Reus-Management (SportsTotal/Köln) wollte die Vorgänge mit dem Hinweis auf das schwebende Verfahren auf Anfrage nicht kommentieren.

Die Strafe in Höhe von 90 Tagessätzen war im Dezember rechtskräftig geworden. Bei 91 Tagessätzen gilt man als vorbestraft. Damit war dieses Verfahren abgeschlossen.

Es hätten sich daraufhin zahlreiche Zeugen gemeldet, die den Dortmunder Profi auch an weiteren Tagen hinter dem Steuer eines Autos gesehen haben wollen, sagte die Sprecherin. Die Angaben dieser Zeugen bezogen sich demnach auf mehrere Jahre. Die aktuellen Ermittlungen laufen laut Staatsanwaltschaft bereits seit 19. Dezember 2014.

Ermittelt wurde im vergangenen Jahr auch, weil Reus bei einer Polizeikontrolle einen gefälschten niederländischen Führerschein vorgezeigt haben soll. Weil diese Ermittlungen schließlich eingestellt wurden, kamen Vorwürfe auf, wonach es bei der Dortmunder Justiz womöglich einen Promi-Bonus gegeben habe.

Der CDU-Abgeordnete Peter Biesenbach richtete eine entsprechende Anfrage an Nordrhein-Westfalens Justizminister Thomas Kutschaty (SPD). Biesenbach wollte wissen, warum die falschen Papiere nicht zur Anklage gekommen sind und warum nicht ermittelt wurde, ob es mehr Fahrten ohne Führerschein gab.

Reus, der die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien wegen einer Verletzung verpasst hatte, verlängerte im Vorjahr seinen Vertrag bei den Dortmundern bis zum Jahr 2019. Neben den finanziellen Zugeständnissen des BVB dürfte auch die solidarische Haltung der Clubspitze in der Führerschein-Affäre den Ausschlag zugunsten der Borussia gegeben haben. Clubchef Hans-Joachim Watzke und Trainer Jürgen Klopp hatten Reus den Rücken gestärkt.