München - Hochspannung in der 2. Fußball-Bundesliga: Vor den finalen 180 Saisonminuten stehen noch alle sechs Entscheidungen im Kampf um den Aufstieg und gegen den Abstieg aus.

Am 33. Spieltag dürfte sich das ändern: Vor allem Spitzenreiter FC Ingolstadt hält im Heimspiel gegen Aufsteiger Rasen-Ballsport Leipzig alle Trümpfe in der Hand, um der 54. Verein in der Bundesliga-Historie zu werden.

Eine besondere Dramatik ist am Sonntag, wenn alle neun Partien zeitgleich um 15.30 Uhr angepfiffen werden, an den Schauplätzen garantiert, wo es für beide Kontrahenten noch um viel geht. In Braunschweig empfängt die Eintracht als Tabellenfünfter den Tabellenvierten Karlsruher SC. Der Sensations-Zweite Darmstadt 98 muss sich in Fürth (14.) ebenso bei einem Abstiegskandidaten behaupten wie der auf der Zielgerade strauchelnde 1. FC Kaiserslautern (3.) in Aue (16.). Einen Saison-Zuschauerrekord wird es in München geben: 60 000 Fans werden beim Abstiegsendspiel des TSV 1860 gegen den 1. FC Nürnberg erwartet.

AUFSTIEGSKAMPF: "Drei aus fünf" lautet die Aufstiegsformel. Und die erste große Party scheint in Ingolstadt programmiert. Sechs Punkte beträgt der Vorsprung der Oberbayern auf Platz drei. Die Möglichkeit des Scheiterns liegt eigentlich im Promillebereich, auch wenn die Schanzer am letzten Spieltag in Kaiserslautern antreten müssen. "Wir müssen mit aller Macht punkten. Das muss jetzt über den Willen geschehen", verkündete Abwehrspieler Benjamin Hübner.

Trainer Dirk Schuster steht mit Aufsteiger Darmstadt vor dem Durchmarsch von der 3. Liga in die Bundesliga. Nach dem 1:0 in Karlsruhe sind die Hessen euphorisiert. Tobias Kempe, der im Topspiel beim KSC der Matchwinner war, setzt auch in Fürth auf den Teamgeist: "Wir müssen erneut alles reinwerfen. Für Fürth geht es ums Überleben, auch dort können wir erneut nur gemeinsam bestehen."

Der 0:2-Tiefschlag gegen St. Pauli war für die junge Lauterer Mannschaft "nicht einfach zu verdauen", wie Trainer Kosta Runjaic zugab. Seit dem 23. Spieltag zählten die Pfälzer immer zu den "Top drei". Jetzt ist sogar die Relegation in Gefahr. Vierter war der viermalige deutsche Meister schon 2014. Ein Abwehrspieler ging vor der Partie bei Erzgebirge Aue in die Offensive: "Vollgas geben und vorne die Dinger reinmachen", forderte Dominique Heintz.

Der vierte Aufstiegs-Brennpunkt ist Braunschweig: Für die Eintracht könnte selbst ein Heimsieg gegen Karlsruhe zu wenig sein, um noch im Rennen um Rang drei zu bleiben. Die Relegationsspiele gegen den Bundesliga-16. sind auch das neue Ziel des KSC. "Rang drei ist noch drin", sagte Trainer Markus Kauczinski.

ABSTIEGSKAMPF: Sieben Teams zittern noch, nachdem der SV Sandhausen nach dem Abzug von drei Punkten mit 38 Zählern rein rechnerisch auch noch mal gefährdet ist. Kurios: Alle sieben Vereine (Sandhausen, FSV Frankfurt, Fürth, St. Pauli, Aue, 1860 München und VfR Aalen) haben am vorletzten Spieltag ein Heimspiel.

Dieser Vorteil könnte im Fall des Tabellenvorletzten 1860 München eher ein Nachteil sein. 13 Punkte, so wenig wie kein anderes Zweitligateam, holten die "Löwen" in der Allianz Arena. Trotzdem steht gegen den "Club" aus Nürnberg ein echtes Heimspiel an: 60 000 plus x Zuschauer werden erwartet. "Die vielen Zuschauer werden uns zusätzlich Ansporn geben", glaubt 1860-Profi Dominik Stahl.

Neben den Münchner "Löwen" ist Aalen am extremsten gefährdet. Auch der Tabellenletzte erfährt großen Fan-Zuspruch: Gegen Heidenheim ist die heimische Arena bei einer Zweitligapartie mit 14 500 Zuschauern erstmals ausverkauft.