Johannesburg - Enorm gestiegener Ticketverkauf und überaus gute Umfragewerte: Gut vier Monate vor dem WM-Start hat die FIFA mit äußerst positiven Zahlen auf die jüngsten Negativ-Schlagzeilen für das Turnier in Südafrika reagiert.

1 206 865 Kartenanträge aus 192 Ländern wurden vom Fußball-Weltverband in der bereits abgelaufenen dritten Ticket-Verkaufsphase gezählt. Damit schnellte der zuletzt gerade in Europa stockende Kartenverkauf für das Turnier vom 11. Juni bis 11. Juli plötzlich auf rund zwei Millionen vergebene Tickets in die Höhe. Für die 64 WM-Spiele sind gut drei Millionen Karten verfügbar.

"Wir sind sehr glücklich über den Anstieg des Verkaufs", sagte WM- Chefplaner Danny Jordaan bei einer Pressekonferenz in Johannesburg. FIFA-Generalsekretär Jérome Valcke zeigte sich ebenso erleichtert. "Das ist ein erfreulicher Anstieg des Interesses." Besonders die große Nachfrage aus dem Gastgeberland mit rund 950 000 Bestellungen freute die WM-Organisatoren. "Alle Spiele der südafrikanischen Mannschaft werden ausverkauft sein", sagte Jordaan. Jetzt schon überbucht sind die Halbfinals in Kapstadt und Durban sowie das Endspiel am 11. Juli im Soccer City Stadion von Johannesburg.

Aus Deutschland wurden in der dritten der fünf allgemeinen Verkaufsphasen, in denen Karten nur im Internet bestellt werden können, laut FIFA-Berater Horst R. Schmidt 14 647 Kartenwünsche registriert. Damit gingen für die insgesamt 64 WM-Spiele deutlich mehr Ticketbestellungen ein als in der Sonderverkaufsphase, in der deutsche Fans speziell für die drei deutschen Gruppenspiele gegen Australien, Serbien und Ghana Karten erwerben konnte. Von den rund 21 000 Karten konnte der DFB dabei nur 1916 Tickets an Fans veräußern.

Da diese in der Vorwoche veröffentlichten Zahlen in fast allen europäischen Ländern ähnlich enttäuschend waren, hatte die FIFA alternative Verkaufsoptionen in Südafrika beschlossen und ein neues weltweites Zeitfenster für nationale Tickets vom 9. Februar bis 7. April geöffnet. Parallel dazu läuft auch die vierte internationale Bestellphase über die FIFA-Homepage. Die letzte Verkaufsphase endet dann unmittelbar vor dem Turnierbeginn. In Südafrika können Fans dann auch direkt am Schalter Karten kaufen. Diese Option hatte die FIFA erst als Reaktion auf die schlechte Nachfrage ermöglicht.

Heftig wandte sich Valcke gegen den auch von Bayern Münchens Präsident Uli Hoeneß erhobenen Vorwurf, die Entscheidung für eine WM in Südafrika sei ein Fehler gewesen. "Das ist verrückt und komplett falsch", sagte er. "Es ist traurig und falsch", Südafrika zu unterstellen, es könne nicht für die Sicherheit sorgen. "Warten Sie doch ab, bis die WM stattfindet. Geben Sie Südafrika eine Chance". Gleichzeitig forderte der Franzose mehr Flugangebote aus Europa. Viel Flüge seien ausgebucht, da gäbe es Handlungsbedarf.

Zudem hatte die FIFA äußerst positive Umfragewerte veröffentlicht. Demnach sind 90 Prozent der Menschen im Kap-Staat "stolz" darauf, dass die WM in ihrem Land stattfindet. Diese Zahl beruht auf einer Erhebung des von der FIFA beauftragten Forschungsunternehmens SPORT+MARKT nach der Gruppenauslosung im Dezember 2009 in Kapstadt. 84 Prozent glauben an eine erfolgreiche Turnierorganisation. 91 Prozent rechnen mit zusätzlichen Arbeitsplätzen. 70 Prozent fürchten allerdings weiterhin eine Verteuerung von Verbrauchsgütern durch die WM.